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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Donnerstag, 7. September 2017

The modern days #56

> „Sie war viel stärker als ich. Sie wollte kämpfen. Ich habe einfach aufgegeben, hab das Tattoo genommen und bin abgehauen. Und Amelia? Sie hat um ihre Ehre gekämpft. Und um ihr Leben. Ich hätte an ihrer Stelle sterben sollen!“, murmelte Alex und senkte den Kopf.

Ich schniefte und merkte, wie ein paar Tränen über mein Gesicht liefen.
Dann schüttelte ich den Kopf.
„Nein. Alex, sag so etwas nicht! Natürlich will ich nicht, dass Amelia tot ist. Aber das bedeutet nicht im Geringsten, dass du ihren Platz einnehmen solltest! Ich kann dich nicht verlieren...“
Die Tränen hörten nicht auf.
„Du bist stark. Du bist mehr als das. Du kämpfst für Vergeltung und das Recht auf Wissen. Und in dem du kämpfst gibst du mir die Kraft auch zu kämpfen! Du darfst nicht aufgeben! Hörst du? Ich brauche dich!“
Alex hatte mich mehrere Sekunden lang entrüstet angestarrt, dann ist er aus dem Zimmer geflüchtet.
Ich schloss die Augen und ließ meinen Tränen freien Lauf.
Ich wollte nicht mehr stark sein.
Ich wollte diese ganze Geschichte nur noch hinter mich bringen!
Ich ließ mich nach hinten auf das Bett fallen, drehte mich und heulte in ein Kissen.
Die Mascara auf meinen Wimpern bröckelte ab und verschmierte das weiße Laken.
In meinem Kopf herrschte vollkommenes Chaos.
Was genau hatte dieser Dreckskerl Boss mit Amelia angestellt?
Ich krallte meine Finger in die Matratze und wünschte, es wäre sein Gesicht.
Doch meine Kraft wich viel zu schnell, völlig schlapp lag ich einfach nur da und weinte, bis irgendwann keine Tränen mehr kamen.
Gefühlte Tage verbrachte ich damit, einfach im Bett zu liegen und zu hoffen, dass irgendetwas passieren möge.
Dass mich irgendjemand aus dem Zimmer zerren würde und mich ablenken könnte, ganz egal wie.
Und ich hoffte, dass Alex zurückkehrte.
Gleichzeitig redete ich mir ein, dass ich ihn längst hätte suchen sollen. Er machte das hier ebenso durch, wie ich. Und wahrscheinlich geht es ihm noch viel dreckiger, weil er weiß, zu was Boss fähig ist. Ich bin ja an meine Vermutungen gebunden.
Mühsam quälte ich mich aus dem Bett, nahm das Tagebuch und ging ins Bad.
Ich versteckte das Buch hinter dem losen Badezimmerschrank und wagte es erst danach, in den Spiegel zu sehen.
Meine Augen waren gerötet und mein ganzes Gesicht war mit ebenso roten, hektischen Flecken übersäht.
Ich seufzte, stellte den Wasserhahn an und spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht und auf das Dekolleté.
Die Kälte tat gut und linderte die heftige Reaktion meiner Haut.
Meine Augen sahen immer noch ein wenig verquollen und gereizt aus, aber ich schüttelte nur den Kopf.
Scheiß egal wie ich aussah, ich musste Alex finden.
Ich kontrollierte das sichere Versteck des Buches und verließ dann das Bad.
Dann nahm ich mir noch meine Weste, ging aus dem Zimmer und machte mich auf den Weg zum Aufenthaltsraum.
Dort traf ich auf David, der mich angrinste.
„Sugar, auf der Suche nach irgendwem?“, fragte er, seine Stimme hatte wie immer einen schmeichelhaften Ton angenommen. Ich nickte nur.
„Hast du Alex gesehen?“, fragte ich, er schüttelte den Kopf.
„Nein, also ja, also nicht direkt. Er ist an mir vorbei gerauscht, dachte vielleicht, ihr beiden habt eine Beziehungskrise oder so...“, antwortete er und zuckte mit den Schultern.
Ich atmete tief durch. Wenn es nur so einfach wäre!
Dann versuchte ich mich an einem Lächeln.
„Weißt du denn, wo er hin geflüchtet ist?“, hakte ich nach, David jedoch schüttelte erneut den Kopf.
„Keine Ahnung Sugar... aber, wenn du jemand zur Ablenkung brauchst, du weißt wo sich mein Bett befindet!“
Ich nickte nur und ging nicht auf seine ekelhaften Kommentare ein. Über Alex‘ Kinnhaken schien er relativ schnell wieder hinweg zu sein…
Dann lief ich zur Küche, wo ich Tanja irgendeinen Teig kneten sah.
Sie schaute auf.
„Ach Alice, ich weiß, wen du suchst! Er sitzt auf der Feuertreppe und macht keinen allzu besonders gut gelaunten Eindruck“, erklärte sie, ohne dass ich auch nur etwas sagen konnte.
Ich nickte nur und verabschiedete mich somit auch.
Dann durchquerte ich die Eingangshalle und eilte mit schnellen Schritten dem Eingang entgegen.
Mit viel Mühe öffnete ich die schwere Tür und trat hinaus in die früh abendliche Kälte
Ich sah mich nach Alex um und fand ihn auf der obersten Stufe zusammen gekauert.
„Du rauchst?“, fragte ich kritisch und setzte mich neben ihn.
Alex seufzte.
„Glaub mir: seit du mir vor wenigen Wochen gesagt hast, ich soll damit aufhören, habe ich das auch gemacht. Wirklich. Aber das alles hier stresst mich so, ich habe etwas zur Beruhigung gebraucht...“
Er nahm einen letzten Zug, schnippte dann den Stummel über die Abgrenzung und blies daraufhin den Rauch in das Abendrot der untergehenden Sonne.
„Weißt du, Nic fehlt mir. Amelias Story schockt mich total und ich fühle mich so schuldig, dass ich nie etwas geahnt habe! Und dass ich dich in all das auch noch mit hinein gezogen habe... ich werde mir das alles nie verzeihen können!“, murmelte Alex und schloss entkräftet die Augen.
Ich musste schlucken.<

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