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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Freitag, 22. Mai 2015

The modern days #39



> „Hast du endlich alles?“, fragte ich nach geraumer Zeit.
Ich lag auf Alexanders Bett, während er durch die Wohnung rannte und alles Mögliche an Zeugs in seinen riesigen Rucksack packte.
Ich hörte Alex’ hastige Schritte, die sich näherten und schließlich stand er wieder in seinem Zimmer.
Ich gähnte.
Er grinste mich an und nickte.
„Ja. Bin jetzt fertig!“
Alex kam zum Bett, reichte mir seine Hände und zog mich hoch.
„Dann kann es ja jetzt los gehen!“, murmelte ich, er nickte.
„Mmh…“
Ich griff mir meine Tasche, die neben dem Bett gestanden hatte, und schulterte sie, Alex tat es ebenso.
„Ähm… nehmen wir eigentlich dein Auto? Oder dein Motorrad?“, fragte ich unsicher.
Alex jedoch schüttelte den Kopf.
„Weder noch. Ich, ähm, ich will eigentlich weder mein Auto noch mein Motorrad nehmen. Viel zu unsicher dort! Wir nehmen die Bahn hin und ab dann… die Funk hat massenhaft fahrbare Untersätze, die bei den Deals zum Einsatz kommen“, erklärte Alex, ich nickte zaghaft.
„Na gut, dann… lass uns gehen!“
Reflexartig griff ich nach Alexanders Hand, als wir sein Haus verließen und zur Straßenbahnhaltestelle liefen.
Alex lächelte mich an, dann drückte er meine Hand und strich, während wir liefen, immer wieder mit dem Daumen über meinen Handrücken.
Seine Fingerkuppe war rau.
„Wie lange dauert es bis zum Hotel?“, wollte ich wissen, Alex zuckte mit den Schultern.
„Eine halbe Stunde vielleicht. Möglicherweise auch länger!“
Wir kamen am Bahnhof an, ich zitterte.
Er zog mich an sich.
„Aufgeregt?“, murmelte er, ich lachte und kuschelte mich enger an ihn.
„Klingt so, als würden wir in einen Freizeitpark gehen und die Schlimmste aller Bahnen fahren…“, erwiderte ich.
Alex grinste, als ich zu ihm auf sah.
„Na ja, man kann das mit Achterbahnen vergleichen. Ein Gefühlschaos durch und durch!“, fügte Alex hinzu.
Ich seufzte. Als hätte dieses Gefühlschaos nicht schon längst angefangen!
Die Bahn rollte an und allmählich musste ich mich zwangsweise von Alex lösen.
Doch meine Hand ließ er dennoch nicht los.
Wir betraten die Straßenbahn, suchten uns einen Platz und setzten uns.
Schweigend betrachteten wir die vorbei ziehenden Bilder der Stadt.
An der nächsten Haltestelle stieg eine ganze Bambini Fußballmannschaft zu, mit einem überaus gestressten Trainer.
„Jungs, wir gehen nicht mehr zusammen Pizza Essen, wenn ihr so weiter macht. Nächstes Mal trainieren wir wieder komplett!“, schrie der Trainer über die Jungs hinweg, die dann verstummten.
Ich lachte.
Wenn es ums essen geht…
Alex neben mir seufzte und sah beinahe sehnsüchtig zu den Jungs.
Ich runzelte die Stirn.
„Ähm… alles okay bei dir?“, fragte ich und sah mich um.
Alex’ Blick wanderte zurück zu mir, doch er sah nicht besonders glücklich aus.
„Ich vermisse Nic jetzt schon! Was mache ich denn so lange ohne diese kleine Nervensäge?“, fragte er und lächelte dabei.
Ich grinste.
„Also den Part als Nervensäge kann ich gerne übernehmen!“, meinte ich Schulter zuckend, was Alexander schließlich zum lachen brachte.
Er nickte.
„Von dir lasse ich mich liebend gerne nerven!“
Und wir schwiegen wieder.
Und wir schwiegen solange, bis ich den Umriss des Millennium in der Ferne erkannte.
Ich musste schlucken, mein Hals kratzte und Alex’ Lächeln verschwand komplett aus seinen Augen.
Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr.
„Das ist wohl unser Ziel!“, murmelte er und stand schon an der Tür, bevor die Bahn überhaupt zum stehen gekommen war.
Ich beeilte mich, ihm hinter her zu eilen, als er förmlich aus der Bahn sprang.
„Alex, verflucht! Kannst du bitte nicht von mir wegrennen?“, rief ich ihm hinter her.
Alex rannte voraus, sein Rucksack hüpfte hoch und runter und seine Haare wehten wild um seinen Kopf herum.
Ich atmete schwer.
Sport war noch nie so meins…
„Alex!“, rief ich erneut, völlig außer Atem.
Er drehte sich nicht mal nach mir um!
Langsam wurde ich leicht wütend.
Erst, als wir beim Millennium ankamen, blieb Alex stehen – direkt unter der Feuertreppe.
Ich sah ihn ärgerlich an.
„Was sollte das gerade? Warum um alles in der Welt mussten wir hier her rennen?“, fragte ich außer Atem.
Alex grinste mich an.
„Wir sind spät dran…“, murmelte er, als wäre das eine legitime Antwort!
Ich stützte die Hände in die Hüften und ließ entkräftet meine Tasche fallen.
„Was?“, wollte ich wissen, völlig verwirrt.
Alex seufzte.
„Wir sind spät dran. Die Funk nimmt nur morgens ihre Leute auf!“, erklärte er und ich lachte, atemlos.
„Die fucking Drogenbande hat Sprechzeiten?“, fragte ich, Alex grinste und nickte.
„So kannst du es auch sagen…“
Er hob meine Tasche auf und drückte sie mir in die Hand.
„Auf geht’s. Wir müssen los“
Ich verzog das Gesicht und nahm widerwillig meine Tasche an, schulterte sie und folgte Alex die Treppe hoch.
Es waren tausende Stufen – ich setzte mir in den Kopf, zukünftig ins Fitnessstudio zu gehen – aber wir hatten es schließlich geschafft.
Vierter Stock.
Vor einer roten, verrosteten Eisentür.
Das Gitter der Treppe unter uns schien auch nicht viel besser erhalten.
Ich sog scharf die Luft ein.
„Scheiße ist das hoch!“, keuchte ich und wagte es nicht, nach unten zu sehen.
Ich spürte den Wind um meine Knöchel rauschen und versuchte, einigermaßen normal zu atmen – was mir beim besten Willen nicht gelang.
Alex drückte meine Hand.
„Hey, du musst keine Angst haben…“, murmelte er.
Ich lachte auf.
„Das sagst du so leicht. Ich habe aber Höhenangst, und das schon ewig!“
Alex drückte erneut meine Hand.
Dann lächelte er mich kurz an.
„Du wirst nicht fallen“, meinte er, ging daraufhin einen Schritt nach vorne und klopfte, scheinbar in einem bestimmten Rhythmus an die alte Tür.
Kurz passierte nichts, doch nach wenigen Sekunden wurde die Tür geöffnet.
Ein junger Mann trat heraus, blieb aber wie angewurzelt stehen, als er uns sah.
„Alex? Scheiße Mann, was machst du denn hier?“, fragte der junge Mann,
seine pechschwarzen Haare waren wild in alle möglichen Richtungen gegelt.
Er sah sich kurz um, schloss die Tür bis auf einen kleinen Schlitz, kam auf Alex zu und schloss ihn in seine Arme.
Ich kaute beunruhigt auf meiner Unterlippe herum.
Alex seufzte und nickte in meine Richtung.
„Wir beide wollen der Funk beitreten“, erklärte er, der Mann riss die Augen auf.
Dann schüttelte er den Kopf.
„Alex, das kannst du nicht tun... Verflucht, wenn du nicht das Klopfzeichen gekannt hättest, hätte ich dir gar nicht aufgemacht! Klar warst du mega gut, aber du würdest dein Leben aufs Spiel setzen, wenn auch nur irgendetwas in Boss' Gegenwart passiert!“, murmelte er.
Dann seufzte der Mann ebenfalls.
„Und außerdem solltest du sie nicht mit hier her bringen.“
Ich runzelte die Stirn.
Warum nicht?
„Ihr seid wegen Amelia hier, oder?“, fragte er, mein Herz schlug schneller.
Alex nickte langsam.
Dann legte er seine Hände auf die Schultern des Mannes und sah ihn mit ernstem Gesicht an.
„Marco... ich weiß, es ist gefährlich. Aber Boss hat mir gedroht. Ich muss das hier tun, und zwar freiwillig. Tu mir den Gefallen und bring uns da rein!“, bat er, der Mann - Marco - runzelte äußerst kritisch die Stirn.
Er schloss für einen Moment die Augen, dann nickte er.
„Wartet einen Moment. Ich gehe Boss suchen!“
Marco verschwand durch die Tür und schloss sie mit einem lauten Knall.
Alex fluchte leise vor sich hin.
„Wer war das?“, wagte ich zu fragen.
Alex atmete tief durch.
Dann drehte er sich zu mir.
„Marco und ich waren so was wie Freunde. Er ist ziemlich kompliziert – und eigentlich redet er auch nicht gerade viel. Sitzt meistens draußen, die halbe Nacht lang, lauscht den Geräuschen der Stadt. Wir haben ein paar Deals durchgezogen. Und außerdem kannte er Amelia. Sie war die einzige, die mit ihm ganz normal reden konnte!“, antwortete er mir.
Ich nickte mechanisch und wusste nicht, was ich noch erwidern sollte.
Doch ich hatte auch nicht wirklich Zeit, großartig darüber nachzudenken, da wurde die Tür wieder aufgemacht.
Ich erkannte Marco, der einen älteren Mann begleitete.
Er trug einen schwarzen Anzug mit Nadelstreifen, ein paar schwarze Lackschuhe und seine grau melierten Haare waren zurück gekämmt.
Als er grinste, sah ich, dass sein Eckzahn vergoldet war.
Ich schauderte.
Er sah absolut Angst einflößend aus.
„Alex? Alexander McCurdy?“, fragte er.
Seine Stimme war rau und kehlig, als hätte er jahrelang geraucht.
Alex nickte zögerlich.
Ich spürte, wie der Griff um meine Hand fester wurde.
Der Mann trat einen Schritt nach vorne.
„Ich danke dir Marco, du kannst wieder gehen“, murmelte er, woraufhin Marco gehorsam nickte und im Innern des Gebäudes verschwand.
Der Mann fing wieder an zu grinsen.
„Was fällt dir nur ein, hier wieder aufzukreuzen, Alexander?“, fragte er, auf einmal fuchsteufelswild.
Wie aus dem Nichts packte er Alex am Kragen, seine Hand wurde meiner entrissen.
Ich schrie auf und schlug mir die Hände vor den Mund.
Alex keuchte.
„Boss, hör zu. Ich bin wegen dem Brief hier…“, erklärte er und wirkte ganz ruhig, als wäre das hier vollkommen normal.
Der Mann schnaubte.
„Der Brief? Bist du wirklich so dumm? Ich wollte das Mädchen, nicht dich!“
Alex schüttelte den Kopf, Boss ließ ihn augenblicklich los.
Er taumelte zurück.
„Wir wollen wieder beitreten. Hier. Euch!“, äußerte er vorsichtig.
Boss lachte und es klang verrückt.
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass wir dich hier einfach wieder aufnehmen würden?“, fragte er und schnaubte abschätzig.
Alex öffnete den Mund, wusste aber nicht, was er noch sagen sollte und schloss ihn wieder.
Ich seufzte, nahm dann meinen ganzen Mut zusammen und trat dann einen Schritt nach vorne.
Alex wollte mich stoppen, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Hören sie… Wir sind eigentlich wegen mir hier. Sie wollen doch auch eigentlich nur mich hier haben, oder nicht? Also, hier bin ich. Gekommen, um freiwillig ihrer Crew beizutreten. Das sollte sie freuen, oder nicht? Aber ohne Alex werde ich nicht hier bleiben… Also?“
Boss sah mich feindselig an.
Alex griff ganz langsam wieder nach meiner Hand und umschloss meine Finger.
Ich spürte, wie er zitterte.
Ich allerdings war vollkommen ruhig. Ich weiß nicht, was mich dazu brachte, so mit dem gefährlichsten aller Drogendealer umzuspringen, aber ich war hier ja auch nicht zum Spaß. Entweder, wir verhandelten klar und eindeutig, oder wir gingen – und ich würde der Funk die Polizei auf den Hals hetzen.
Ganz gleich, ob ich da lebend raus kommen würde…
Boss betrachtete mich hochnäsig und feindselig.
Dann nickte er.
Ganz langsam.
Äußerst kritisch.
Ich merkte sofort, wie sich Alex’ Griff um meine Hand wieder verstärkte.
„Na gut, kleines Biest. Mir gefällt deine Art. Nicht ganz so aufmüpfig, wie deine Schwester, aber scheinst ganz nah dran zu sein. Tretet ein in mein Reich!“ <

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