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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Sonntag, 19. April 2015

The modern days #37



> Meine Hände zitterten wie nie zuvor.
Ich saß mit Ben am Frühstückstisch. Er scrollte über sein Smartphone und biss dabei gar lustlos in seinen Toast.
Ich konnte beim besten Willen keinen Bissen hinunter bekommen, so aufgeregt war ich.
Denn jetzt musste ich ihm irgendwie verklickern, dass ich mit Alex "durchbrennen" wollte.
Ich räusperte mich und Ben sah automatisch hoch.
„Hm?“, machte er, ich seufzte.
„Ähm, Ben, ich muss... also ich wollte fragen, ob...“
Ich war total nervös!
Ben grinste.
„Es geht um deinen Kerl!“, stellte er fest, ich nickte erschrocken.
War meine aufgesetzte Laune so offensichtlich?
War sie aufgesetzt?
„Ja, ich habe dich angelogen, was mir wirklich leidtut. Eigentlich... also eigentlich... Mann Ben, wir sind zusammen, schon Ewigkeiten. Und ich will zu ihm ziehen!“
Wie überraschend leicht mir das von den Lippen gekommen war.
Mein Vater sah mich überaus überrascht an.
„Wow, Alice. Die Seite kenne ich ja gar nicht von dir, so spontan und abenteuerlustig. Aber, äh, also ich will deinem Liebesglück ja nicht im Wege stehen, aber hast du dir das auch gut überlegt?“, fragte er, ich nickte viel zu stark.
„Du weißt wie anhänglich Mama sein kann. Ich will da mal raus. Und Alex hat eine eigene Wohnung und... es ist ja nur auf Probe! Ben, lass es mich versuchen!“
Ben runzelte die Stirn.
„Alice, ich weiß nicht... Du weißt, ich bin sehr offen für alles Mögliche. Aber ich bin auch dein Vater und mache mir Sorgen. Weiß Simone davon?“, fragte er, ich schüttelte den Kopf.
„Nein, eigentlich hatte ich gedacht, dass...“
„...dass ich mit ihr reden könnte?“
Ich nickte beschämt.
Ben seufzte.
Dann nickte er – ich riss die Augen auf.
„Du tust es?“
Er nickte wieder.
„Unter einer Bedingung: ich will ein bisschen was über ihn wissen, deinen Herzbuben. Erst dann ist er für gut befunden!“
Ich nickte.
Solche Interviews kannte ich bereits.
Hoffentlich stellte er nicht allzu konkrete Fragen.
„Gut. Fangen wir an. Wie ist sein kompletter Name? Und wie alt ist er?“
„Alexander McCurdy, 20.“
„Was macht er beruflich?“
„Geht noch zur Schule, in meine Stufe. Jobbt nebenbei als Barkeeper.“
„Wo wohnt er?“
„Außerhalb der Stadt, mit seinem kleinen Bruder zusammen.“
„Warum? Wo wohnen seine Eltern?“
Ich sog schwerfällig die Luft ein.
„Sie sind vor ein paar Jahren bei einem Autounfall gestorben. Alex und sein Bruder sind dann bei einer Pflegefamilie gewesen, bis er sich eine Wohnung leisten konnte und seinen Bruder mehr oder weniger alleine großgezogen hat.“
Mein Vater nickte.
„Wow. Klingt nach einem harten Kerl, den du dir da angelacht hast“
Ich seufzte.
„Ben, Alex ist der liebevollste Mensch den ich je getroffen habe... Lass es mich probieren. Nur für den Rest der Woche. Bis Weihnachten!“
Ich zog einen Schmollmund.
Ben lächelte.
„Dir sieht man ja deine Verliebtheit förmlich an. Na gut, du bist eh volljährig, was soll ich groß sagen? Probiere es aus, ich will dich von nichts abhalten. Und ich werde mit Simone reden. Versprich mir nur: keine Drogen und keine Enkel, okay?“
Ich schluckte und nickte.
„Geht klar!“
Mein Vater nickte und widmete sich wieder seinem Handy.
Das war ja... leicht?
Ich musste lächeln. Lief doch alles nach Plan.
„Ich geh dann mal packen!“, murmelte ich und stand auf.
„Wann soll es denn losgehen?“, fragte er, ohne aufzusehen.
Ich warf einen Blick auf die große Vintage Uhr an der Wand.
„In einer halben Stunde!“
Ben sah schockiert zu mir hoch.
„Wow, ihr könnt es ja gar nicht abwarten. Dann husch husch, ich mach den Abwasch, lass dich ja nicht aufhalten!“, erwiderte er grinsend und schüttelte den Kopf.
Er stand auf und ich vernahm ein murmeln, das nach "verrückte Jugend" klang, wandte mich jedoch ab und ging in mein Zimmer.
Was sollte ich eigentlich groß einpacken?
Theoretisch brauchte ich eh nur das, was ich für meine Zeit bei Ben mitgenommen habe. Ein paar Klamotten, mein Skizzenbuch, Zeug für das Bad, mein Handy.
Ich verzog den Mund.
Ben war zwar misstrauisch – was ein Vater ja durchaus sein kann – aber war er auch traurig? Dass ich nicht hier blieb? Ich hatte nicht darauf geachtet...
Augenblicklich fühlte ich mich schlecht.
Schließlich hatte ich mich auf die Woche mit meinem Vater gefreut.
Und jetzt durfte ich sie mit der Funk verbringen, geschweige denn ich komme da bis Weihnachten auch wieder heraus.
Lustlos pfefferte ich meinen Kram in meine Tasche und schloss den Reißverschluss.
Sonderlich viel hatte ich nicht dabei.
Mein Handy vibrierte in meiner Hand, ausdruckslos starrte ich darauf.
Ich hatte eine Nachricht bekommen.
Ich stehe unten vor dem Haus, an der Straße. Bist du soweit?
Sie war von Alex.
Augenblicklich begannen meine Hände wieder zu zittern.
Jetzt gab es kein zurück mehr!
Schweren Herzens nahm ich meine Tasche und schlurfte ins Wohnzimmer.
Ben stand an der gegenüberliegenden Wand gelehnt und nickte nach links.
„Ist er das?“
Ich eilte zu ihm und sah aus dem Fenster.
Alex war tatsächlich da. In Ledermontur und auf dem Motorrad. Ich hielt automatisch den Atem an, mein Herz schlug schneller.
Er sah verflucht gut aus!
Ben runzelte mehr als ärgerlich die Stirn.
„Und du bist dir ganz sicher, dass er der Richtige ist?“, fragte er, ich nickte bestimmt.
„Ben, ich bin mir sicher. Mehr als das. Du hattest recht, er ist mein Herzbube!“, murmelte ich gedankenverloren – Und war gar nicht mehr sicher, ob das überhaupt gelogen war.
Ben seufzte.
„Na gut. Viel Spaß Kleine!“, meinte er, ich nickte.
Dann ließ ich meine Tasche fallen und umarmte meinen Vater.
Überrumpelt zuckte er kurz zusammen, legte dann jedoch ebenfalls die Arme um mich.
„Alles klar?“, fragte er, ich nickte.
Ich werde nur vermutlich eine lange Zeit nicht mehr hier sein. Vielleicht nie wieder!
Ich löste mich von Ben, nahm wieder meine Tasche und ging zur Haustür.
Ben lächelte mir aufmunternd entgegen.
„Wie gesagt. Keine Drogen und keine Enkel!“
Ich nickte wieder.
„Wir sehen uns!“
Und schon war ich aus der Tür.
Allein im Treppenhaus.
Plötzlich völlig panisch rannte ich nach unten, stürzte aus der Tür direkt auf Alex zu.
Der hatte sein Motorrad abgestellt und stand lässig neben dran.
Er war überrascht, als ich in seine Arme fiel.
„Alice, alles okay?“, fragte er besorgt, ich versuchte, einigermaßen normal zu atmen.
„Ich habe Angst, Alex. Panische Angst!“ <

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