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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Montag, 23. Februar 2015

The modern days #33



> Nach dem Frühstück heute Morgen hatte mir Mama noch mal eine Moralpredigt darüber gehalten, dass ich ja verhüten sollte, falls ich mit Alex schlief.
Ich war nah an einem Wutanfall.
  1. wusste ich das selber.
  2. geht es meine Mutter ja überhaupt nichts an, was ich außerhalb dieses Hauses machte
  3. sind Alex und ich doch nicht mal zusammen!!!
Doch darüber musste ich mir jetzt erstmal keine Gedanken machen, da ich gleich zu Ben gehen würde.
Zwar hatte ich mit Alex ausgemacht, dass wir diese Woche noch mal reden, aber Ben ist ein vielbeschäftigter Mann, es wird ihm also eh nicht auffallen, wenn ich nicht oft zuhause sein würde.
Doch trotzdem freute ich mich darauf, wenigsten ein klein wenig Zeit mit ihm verbringen zu können.
Es war schon fast Tradition, dass ich die erste Woche der Weihnachtsferien bei meinem Vater verbrachte.
Ich packte meine Tasche mit frischer Kleidung, meinem Skizzenbuch und den Stiften und steckte mein Handy in die Seitentasche.
„Mama? Ich fahr jetzt. Ich ruf dich heute Abend an, okay?“, rief ich quer durch die Wohnung.
Ich sah, wie die Tür des Arbeitszimmers aufging und meine Mutter hinaus schaute.
„Viel Spaß Schätzchen! Richte Ben viele Grüße von mir aus, ja? Wir sehen uns spätestens nächste Woche“, meinte sie lächelnd, warf mir einen Luftkuss zu und verschwand, so schnell sie aufgetaucht war.
Ich schüttelte nur den Kopf.
Meine Mutter arbeitet einfach durchgehend, selbst wenn sie nicht arbeiten müsste.
Ich fragte mich, wann sie irgendwann begreift, dass es ihr nicht gut tun wird, wenn sie zum Workaholic mutiert…
Aus der Kommode im Gang nahm ich mir meine Schlüssel, danach zog ich mir Jacke, Mütze und Schal an.
Die Temperaturen sanken von Tag zu Tag und die dünne Eisschicht auf den Pfützen zeugte vom schlagartigen Wintereinbruch.
Da meine Mutter diese Woche ihr Auto ausnahmsweise einmal benötigte, um zu einem Ärztekongress oder was auch immer zu fahren, nahm ich die Straßenbahn.
Nach einer knappen Stunde mit insgesamt fünf Mal umsteigen und einem kurzen Fußmarsch stand ich vor Bens Appartement.
Ich besaß einen Schlüssel, also nahm ich gleich die Treppe und betrat oben angekommen die Wohnung.
Von innen klopfte ich gegen die Tür und sah mich um.
Mal wieder typisch Papa: Es lief lautstark Billy Talent – von ihm hatte ich wohl mein Faible für Punk Rock geerbt – und man verstand wohl nicht mal mehr seine eigenen Gedanken.
„Ben?“, kreischte ich und lief zur Stereoanlage. Dort drehte ich erst einmal auf minimales Volume und rief noch einmal.
Auf einmal nahm ich Schritte wahr und drehte mich um.
Es war mein Vater, irritiert lief er auf mich zu.
„Hey Kleine, warum drehst du die Musik leiser?“, fragte er grinsend und schloss mich in seine Arme.
„Schön dich zu sehen“, murmelte er, ich umarmte ihn fest.
„Ich freue mich auch dich zu sehen. Und irgendwie musste ich ja deine Aufmerksamkeit erlangen, die Musik raubt dir jeglichen Verstand“, erwiderte ich lachend.
Wir lösten uns voneinander und mein Vater nahm mir meine Tasche ab.
Er drehte sich um und ich lief wie jeher hinter ihm her, in mein Zimmer.
Es war nichts großartiges, nur ein ganz kleiner Raum mit einem schmalen Bett und einem Regal mit den nötigsten Sachen. Doch ich hatte, als Ben hier eingezogen ist, bestimmen dürfen, mit welcher Farbe ich die Wände anpinseln wollte.
Meine Idee war simpel: Drei der vier Wänden wurden türkis gestrichen, natürlich, doch die vierte Wand ließen wir weiß. Ben erlaubte es mir (nachdem ich ihn sehr oft danach gefragt hatte) diese Wand als ein riesiges Kunstwerk zu gestalten.
Ob mit Bleistift, Acryl oder Wasserfarbe, an diese Wand male und zeichne ich, was mir gerade so in den Sinn kommt.
„Wie geht’s dir, Kleine? Wie geht’s deiner Mutter?“, fragte Ben und stellte meine Tasche auf das Bett.
Ich setzte mich lächelnd.
„Mir geht’s ganz gut, ich bin froh, endlich dem Schulstress zu entkommen. Mama arbeitet, wie immer. Ich soll dich von ihr grüßen“
Mein Vater nickte, setzte sich neben mich und seufzte.
„Ich wollte eigentlich gerade noch ein paar Klausuren korrigieren, eine schreckliche Aufgabe, wenn du mich fragst. Aber da du jetzt schon hier bist, lass uns essen gehen, okay? Hast du Hunger?“
Ich grinste.
Mein Vater – von Beruf Musiklehrer – liebte seinen Job von ganzem Herzen. Aber er war nie so ganz mit unserem Schulsystem einverstanden. Er meint, Noten wären überflüssig, es geht alleine um das Prinzip des Lernens.
Deswegen hasst er es auch, Klausuren zu korrigieren. Denn in seinen Augen ist das nur gezwungene Auswendig-Lernerei, die rein gar nichts mit Spaß an der Musik zu tun hatten. In Fächern wie Mathe sei das anders, aber Kreativität könne man nicht bewerten.
Er gibt lieber nebenbei noch Klavier-, Gitarren- und Bassunterricht, um sein Pensum an Musik zu erhöhen.
Ich musste wieder lächeln. Mein Vater ist und bleibt ein Vollblutmusiker.
Eigentlich wollte er mit seiner früheren Band, a million ways to panic, groß durchstarten und das Leben eines echten Rockstars leben.
Aber das wurde dann nicht ganz, wie er erhofft hatte, und so beschloss er, sein musikalisches Talent an andere weiterzugeben. Die Band existiert zwar noch, aber eher als Hobby mit gelegentlichen Auftritten in seinem Club.
Da er nicht an meiner Schule ist, konnte ich seine Talente als Lehrer nicht einschätzen. Aber so wie ich Ben kannte, war er ein purer Chaot, der seine Schüler mit in sein Rockstarleben ziehen will.
„Natürlich habe ich Hunger, was denkst du denn!“
Mein Vater grinste.
„Okay Kleine, lass uns gehen. Du darfst entscheiden, wohin“
Wir verließen mein Zimmer und mein Vater schmiss mir seine Autoschlüssel entgegen.
„Und du darfst natürlich fahren.“
Ich betrachtete den Schlüssel, den mir mein Vater zugeworfen hatte.
„Ähm... irre ich mich oder ist das ein anderer Schlüssel?“
Ben nickte grinsend.
„In der Tat, ich hab ein neues Auto.“
Ich zog überrascht die Augenbrauen nach oben.
„Du hast deiner alten Karre also lebwohl gesagt?“, fragte ich ungläubig. Mein Vater nickte erneut.
„Ja, leider. Motorschaden, da kann man nichts mehr retten... nun ja, es wahr vermutlich eh schon längst Zeit für ein neues Auto!“
Diesmal war ich diejenige, die nickte.
Papas Auto war echt nur noch ein Haufen Schrott. Uralt und rostig, etc.
Und Ben ist durch seinen Club, die Band und seinen normalen Job ja auch nicht gerade arm. Es war echt schon lange Zeit, dass er sich einen neuen Wagen zulegen sollte.
Ben und ich verließen die Wohnung, gingen ins Untergeschoss bis hin zur unterirdischen Garage.
Weit und breit nur ein einziges Auto zu sehen.
Irritiert sah ich mich nach meinem Vater um.
„Ähm... ist das...“
Ben lachte.
„Ja. Sieht schick aus oder? Ich wusste anfangs nicht, ob er mir wirklich gefällt. Aber irgendwie steh ich auf diesen Luxus!“
Ich musste schlucken.
Mein Vater ließ mich seinen neuen Wagen fahren, und zwar einen Porsche!
Ich hatte keine wirkliche Ahnung, welches Modell. Es war nur schwarz und sah massig teuer aus!
„Und du lässt mich wirklich damit fahren?“, fragte ich, immer noch ungläubig.
Mein Vater nickte.
„Selbstverständlich. Du bist eine exzellente Fahrerin.“
Ich nickte nur und öffnete den Wagen.
Innen drin roch es noch nach frischem Leder.
Ich rümpfte die Nase.
„Musste es Leder sein?“, fragte ich, startete den Motor und versuchte mich daran, mit diesem Monster von Auto rückwärts auszuparken.
Mein Vater zuckte mit den Schultern.
„Das war ein Austellungsmodell. Ich hab’s genauso gekauft, wie es da stand.“
Ich nickte und hatte es endlich geschafft, die Tiefgarage zu verlassen.
Mein Vater räusperte sich
„Ähm, Kleine, kurzer Themawechsel, okay? Was ist gestern Nacht passiert?“, fragte er, ich seufzte.
Oh Mann, dass das jetzt kommen musste.
Kann ich mich nicht mal auf eine Sache konzentrieren?
Entweder Auto fahren oder eine gute Geschichte erfinden.
Beides gleichzeitig geht nicht!
„Ähm… Also ich war bei Freunden!“, meinte ich und lächelte.
Mein Vater lachte.
„Komm schon Kleine, ist es so peinlich? Erzähl deinem Dad die Wahrheit!“, meinte er amüsiert, ich seufzte wieder.
„Na gut… Also okay, es gibt da so einen Kerl…“
„Ahhh, ja das sagt alles!“
Ich war Ben einen kurzen, wütenden Blick zu.
„Nein, eben nicht! Aber genauso ist Mama auch, deswegen kann ich ihr das auch nicht sagen. Alex und ich sind nur Freunde. Aber wir reden oft, weißt du er kannte Amelia… Ich bin einfach nur gut mit ihm befreundet und ich verbringe relativ viel Zeit mit ihm. Und deswegen will ich aber nicht, dass alle in meinem Umfeld da zu viel rein interpretieren, okay?“, fragte ich, mein Vater nickte, plötzlich gar nicht mehr so amüsiert.
„Okay, Kleine, ich versteh dich. Haken wir dieses Thema ab, ich werde nicht mehr nachfragen. Aber cool, dass du mir die Wahrheit trotzdem gesagt hast!“
Ich nickte lächelnd.
„Klar.“
So gut wie unbewusst war ich in Richtung Innenstadt gefahren. Eigentlich hatte ich kein wirkliches Ziel vor Augen gehabt, aber nun fiel mir ein kleiner Laden ein, den ich schon immer geliebt habe.
Als ich einen Parkplatz gefunden habe und mit Ben nach kurzem Fußmarsch endlich im Restaurant, fiel mir wieder ein, dass ich ja letzt im Club war.
„Hey, als du mich letzte Woche angerufen hast, wegen a million ways to panic, weißt du noch? Ich war doch da!“, erzählte ich, Ben nickte überrascht.
„Das erfreut mich! Ich hab dich aber gar nicht gesehen… warst du mit jemandem dort?“, fragte er, ich nickte und biss mir auf die Unterlippe.
Mein Vater nickte wieder.
„Mit Alex? Der Junge scheint es dir angetan zu haben – auf gaaanz unromantische weise!“, erwiderte er und grinste.
Ich verdrehte die Augen.
Doch ehe ich etwas erwidern konnte kam ein Kellern und überreichte uns die Karten.
Mein Vater und ich plauderten ein wenig, bis unser Essen kam.
„Für wen war der Roibuschtee? Für die reizende junge Dame?“, fragte der Kellner – der wie aus dem Nichts gerade wieder aufgetaucht war – und grinste mich an.
Ich lächelte.
„Ja der war für mich“, erwiderte ich und nahm die Tasse entgegen.
Mein Vater beäugte mich argwöhnisch.
„Kleine, der stand auf dich. Aber so was von!“
Ich sah ihn vorwurfsvoll an.
Ben lachte.
„Was denn? Ich werde ja wohl wissen, wenn ein Mann auf eine Frau steht. Erlaube deinem alten Herrn die Frage: wie sieht es an der Männerfront aus? Irgendein zukünftiger Schwiegersohn in Aussicht – abgesehen von deinem neuen besten Freund meine ich!“
Ich schüttelte den Kopf und rührte in meinem Tee herum.
„Nein. Die Menge an mich anhimmelnden Männern ist im Moment nicht so groß!“, meinte ich ironisch und lachte.
Ben zuckte mit den Schultern.
„Wie auch immer...“
Auf einmal klingelte mein Handy.
Die Nummer war mir vertraut, ich runzelte sie Stirn.
„Nur einen Moment“, murmelte ich und hob ab.
„Ja, was gibt’s?“, fragte ich und hörte ein Seufzen als Antwort.
„Alice, tut mir leid, dass ich dich bei was auch immer störe. Aber ich brauche dich. Ganz dringend. Können wir uns treffen?“ <

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