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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Sonntag, 25. Januar 2015

The modern days #31



> Oh Gott.
Ich hatte tatsächlich bei Alexander übernachtet.
Diese Tatsache wurde mir heute Morgen schlagartig klar, als die Sonne mich aufweckte.
Gestern Nacht hatte ich nicht wirklich erkennen können, wie Alexanders Schlafzimmer aussah. Aber jetzt, mit dem hereinfallenden Sonnenlicht, sah ich, was gestern nur Silhouetten waren.
Das Bett, in dem ich geschlafen hatte, füllte fast den kompletten Raum aus. Mit klopfendem Herzen stand ich auf, schlug sorgfältig die Decke zurück und atmete tief durch.
Er war ein altes, schon ein wenig angerostetes Bettgestell, dessen weißer Lack an ein paar Stellen abbröckelte.
Doch trotz des offensichtlich älteren Modells des Bettes war die Matratze unglaublich weich, genauso wie die schwarzen Deckenbezüge.
An der gegenüberliegenden Seite stand ein schmaler Kleiderschrank, der das Aussehen eines Schließfaches hatte. Daneben ein karger Schreibtisch, ohne jegliche Attribute.
Über dem Schreibtisch hingen drei Bilder, mit Reißnägeln an der Wand befestigt.
Ganz links war ein Baby abgebildet, dem Datum nach zu urteilen war das Niclas in seinen jungen Jahren. Das zweite Bild zeigte zwei Teenies, links ganz offensichtlich Alex, mit noch längeren Haaren als jetzt, und rechts daneben ein Mädchen. Sie hatte Ähnlichkeiten mit Alexander, deswegen ging ich davon aus, dass es Camille sein musste.
Beim Betrachten des letzten Bildes musste ich schlucken.
Ein Familienportrait.
Es wurde an einem See aufgenommen, im Hintergrund sah man ein kleines Bootshaus.
Am Ufer des Sees spielte Niclas im Sand, Alex – noch gänzlich ohne Tätowierungen – grinste in die Kamera und Camille posierte in einem geblümten Badeanzug.
Daneben saß eine Frau auf einem bunten Handtuch, offensichtlich Alexanders Mutter, und lächelte herzlich. Ihr Mann stand neben ihr, hielt stolz eine Angelrute in der Hand und lächelte ebenfalls.
Gott, was tue ich hier eigentlich?
Ich schnüffle einfach so in Alexanders Leben herum.
Ich hätte definitiv ablehnen sollen, als er mir angeboten hat, hier zu schlafen. Wie sah das denn aus? Und wie sollte ich das meiner Mutter erklären?
Hallo Mama, ich habe heute Nacht bei einem so gut wie fremden Kerl übernachtet, aber mach dir keine Sorgen, es ist nichts passiert. Sein Bett war echt bequem, muss man schon sagen. Wie war dein Tag so?
Das hört sich doch total unglaubwürdig an!
Ich atmete tief durch.
Es ist Samstag. Ich kann Mama einfach sagen, dass ich feiern war und danach bei Ben übernachtet habe. Das klingt schon mal akzeptabler als meine Situation in diesem Moment – und mein Vater spielt bestimmt mit.
Ich öffnete die Tür des Schlafzimmers und tapste den Flur entlang nach vorne.
Ich vernahm leichtes Gemurmel, Niclas musste ebenfalls wach sein.
Na super.
Ich schlurfte in die Küche und schlang die Arme um den Oberkörper. Ehrlich gesagt wollte ich nicht wissen, wie schrecklich demoliert ich nach dieser Nacht aussah.
Nic saß am Tisch und schaufelte angestrengt Müsli in sich hinein. Als ich den Raum betrat sah er verwundert auf und starrte mich erschrocken an. Seinem Blick nach zu urteilen, konnte ich also nicht allzu gut aussehen.
„Alex, hättest du mir vielleicht sagen können, dass Alice hier schläft?“, murmelte er und sah zu seinem Bruder.
Alexander stand vor einem Küchenschrank, drehte sich bei Niclas’ Worten jedoch verwundert um und sah mich an.
„Morgen“, meinte ich und versuchte mich an einem Lächeln.
„Und falls ihr zwei ein Paar seid… Gosh Alex, if you sleep with her don’t do that in our house. I’m going to have nightmares every time!”
Alex verpasste Nic einen Klaps auf den Hinterkopf und ging auf mich zu.
„Guten Morgen. Ignoriere bitte meinen kleine Bruder, wie geht’s dir?“, fragte er, ich zuckte mit den Schultern.
„Ist alles okay. Ich… danke, dass ich hier pennen durfte. Ich mach mich dann wieder auf den Weg, schätze ich“, antwortete ich und gähnte.
Alexander schüttelte vehement den Kopf.
„Kommt nicht in frage. Du musst was essen, nicht, dass du wieder so eine Art Schwächeanfall hast, wie gestern. Außerdem ist der einzige Bus, der hier raus fährt, samstags sozusagen außer Betrieb. Ich fahr dich später heim, okay? Aber erst, nach dem ich sicher sein kann, dass du etwas gefrühstückt hast!“
Ich verzog den Mund.
„Wenn du meinst!“
Ich fühlte mich unwohl, wie ein Eindringling.
Nic beäugte mich immer noch, während Alex mit mir zurück zum Tisch lief.
„Kaffee?“, fragte er und zeigte auf eine Kaffeemaschine hinter ihm.
Ich lehnte dankend ab und setzte mich auf einen der Stühle gegenüber von Nic.
„Nein, ich bin kein Fan von Kaffee, jeglicher Art!“
Niclas lachte.
„Alex would die without“, entgegnete er und konzentrierte sich dann wieder auf seine Schüssel voll Schokoflocken vor ihm.
Ich grinste.
Alexander seufzte.
„Ja, da hat der kleine Bengel wohl recht. Aber was möchtest du haben? Brot, Müsli, Rührei? Du hast die Auswahl, wenn auch keine Große!“, meinte er und zuckte mit den Schultern.
Ich schüttelte nur den Kopf. Bloß kein Rührei!
„Müsli klingt ganz ausgezeichnet.“
Alex nickte, reichte mir eine Schüssel und einen Löffel und setzte sich dann mit seiner randvollen Tasse tiefschwarzem Kaffee neben uns an den Tisch.
Niclas mir gegenüber gab mir die Milch und reichte mir auch die Packung mit dem Müsli.
Ich schüttete ein wenig von beidem zusammen in das hellblaue Plastikschälchen vor mir und rührte darin.
Mein Magen fing urplötzlich an zu knurren, Alex grinste.
„Er bedankt sich bei mir für sein baldiges Frühstück!“, sagte er und nippte an seinem Kaffee.
Schon fast sehnsüchtig schob ich mir den ersten Löffel Müsli in den Mund und kaute genüsslich auf dem schokoladig süßen Inhalt.
„Also… schlaft ihr jetzt miteinander oder nicht?“, fragte Niclas urplötzlich und sah zwischen mir und Alex hin und her.
Alex hustete völlig überrumpelt.
Die Schokoflocken blieben mir im Hals stecken. <

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