Was findest du hier?

Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Donnerstag, 15. Januar 2015

The modern days #27

> „Du hast gesagt, die letzte Nacht wäre eine beschissene Idee gewesen… aber das sehe ich nicht so. Ich fand’s gut. Wirklich!“, meinte Alex, als er den Motor startete und sich aus dem Parkplatz hinaus schleuste.

Eigentlich war ich froh darum, mit ihm fahren zu können und mich nicht mit irgendwelchen hyperaktiven Schülern in eine Bahn zu drängeln.
Aber wenn ich jetzt Gespräche über diese Nacht führen musste, wäre mir Bahn fahren wohl doch lieber.
Ich warf Alex einen müden Blick zu. Er drehte sich kurz zu mir und grinste.
„Wow, du scheinst dich ja mächtig über meine Aussage zu freuen. Warum bist du so mies drauf?“
Ich stöhnte und lehnte meinen Kopf an das kalte Glas der Fensterscheibe.
„Na rate mal. Ich schwöre, ich werde nie wieder Alkohol trinken! Diese Kopfschmerzen machen mich fertig!“, murmelte ich und schloss die Augen.
Alex fing an zu lachen.
Ich sah ihn daraufhin kritisch an.
„Sag so etwas nicht Alice, das ist viel leichter gesagt als getan!“, erwiderte er.
Wir bogen auf die Hauptstraße ein und steckten sogleich im üblichen Verkehr fest.
Verwirrt sah ich zu Alexander.
„Warum sollte ich das denn nicht tun? Immerhin hast du es auch schon geschafft, oder nicht? Kein Alkohol bedeutet keine Probleme mit anderen… Leuten!“, erklärte ich, Alex nickte und grinste.
„Da hast du wohl recht. Der Typ wollte ja eindeutig was von dir. Aber kein Wunder, bei der Tanzeinlage!“
Er warf mir einen vielsagenden Blick zu und schmunzelte.
Ich stöhnte nur und drückte seinen Kopf wieder nach links, um seinen Blick auf die Straße – und nicht an mich – zu heften.
„Halt ja die Klappe. Deswegen fandest du den Abend also gut? Um über mich lachen zu können?“, fragte ich scherzhaft, Alex wurde auf einmal ganz ernst und jegliches Lächeln verschwand aus seinem Gesicht.
Ich musste schlucken.
Hatte ich etwa etwas Falsches gesagt?
Er schüttelte den Kopf.
„Nein, das war es nicht. Ich hatte ja vorhin gesagt, dass ich mit dir reden wollte. Und zwar genau wegen gestern. Das klingt jetzt alles total absurd, vor allem, da ich mir eingeredet hatte, dich nie mögen zu können. Aber ich habe eingesehen, dass du der erste Mensch bist, der sich darum bemüht, meine – und damit auch deine – Vergangenheit aufzuarbeiten. Weißt du, anfangs war es furchtbar nervig, dich zu sehen und immer wieder diese Fragerei über mich ergehen zu lassen. Aber ich habe gemerkt, dass ein einziger Mensch, der sich für dich interessiert und sich dadurch um dich kümmert, wirklich wertvoll ist. Ich habe dir Sachen erzählt und gezeigt, die kein anderer davor je zu Gesicht bekommen hat. Ich weiß gar nicht, was ich noch sagen soll, aber irgendwie ist es so, als könnte ich durch dich… den Schmerz erträglicher machen. Das gestern Abend war toll. Der ganze gestrige Tag insgesamt. Ich bewundere deine Stärke, dich nie unterkriegen zu lassen. Wie auch sonst wäre ich in eine Disko gegangen und hätte, tatsächlich, Spaß gehabt? Das habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Wie auch du, bin ich nach Amelias Tod zum Einzelgänger geworden. Hab mich abgeschottet. Und gestern Nacht von so viel guter Laune umgeben zu sein, hat mich wirklich gepusht!“
Er schüttelte grinsend den Kopf.
„Woraufhin ich hinaus will, ist: Ich danke dir dafür, dass du mich nach unseren Auseinandersetzungen doch soweit gekriegt hast, mit dir Zeit zu verbringen. Denn das tut mir auf eine sehr eigenartige Art und Weise gut!“
Ich zog total überrascht die Augenbrauen nach oben.
Dann blinzelte ich ein paar Mal völlig verwirrt.
„Das heißt du… du magst mich?“, fragte ich, sprach dabei ganz langsam. Und konnte beim besten Willen nicht glauben, dass er als Antwort darauf nickte.
„In der Tat. Das tue ich. Dein Gequatsche ist ganz erträglich geworden und durch dich kann ich wieder lachen. Das habe ich Jahrelang nicht mehr getan!“, beteuerte er.
Ich musste schlucken.
Wow.
Das war eines der Dinge, die mich am meisten bewegt haben. Von jemand so gut wie fremden zu hören, dass er mich und meine durchaus anstrengende Persönlichkeit mochte.
„Ich.. ähm, ich… weiß gar nicht, was ich sagen soll…“
Alex grinste nur.
„Musst gar nichts sagen. Ich will nur, dass wir genauso weiter machen. Als Freunde. Einverstanden?“, fragte er, ich nickte sprachlos.
Alex lächelte, richtet seinen Blick wieder auf die Straße und fuhr in Richtung Altstadt. Richtung Zuhause.
Die restliche viertel Stunde redeten wir nichts, bis wir schließlich in meine Straße einbogen.
Alex fuhr die Hofeinfahrt nach oben und stellte den Motor ab.
Ich sah ihn lächelnd an und stieß die Luft aus. Langsam wird diese Situation echt peinlich.
„Also, danke fürs Nachhause fahren. Wir sehen uns dann… morgen. In der Schule!“
Alex nickte, ich nickte ebenfalls und löste meinen Gurt.
Dann öffnete ich die Tür und kraxelte aus dem Auto hinaus.
„Was machst du heute noch so?“, fragte Alex, als ich schon draußen stand. Ich drehte mich um und sah ihn schief an.
„Keine Sorge, ich werde dich nicht wieder in irgendwelche Clubs schleifen!“, meinte ich und klaubte meine Jacke zusammen. Dann nahm ich noch meinen Rucksack und schulterte ihn.
Alex grinste und schüttelte den Kopf.
„Das meinte ich nicht. Ich wollte lediglich wissen, was du heute noch so machst. Das fragen sich Freunde doch gelegentlich mal, oder nicht?“
Ich nickte und seufzte.
„Muss noch einen Haufen Zeugs für meine GFS machen. Ich war bisher ein wenig faul in dieser Hinsicht. Muss sie aber noch vor den Ferien abgeben!“
Ich strich mir eine Strähne hinter mein Ohr.
Alex nickte.
„Na dann. Viel Spaß.“
Ich klappte die Tür zu, Alex startete sein Auto und setzte die Einfahrt zurück.
Ich lief den Weg hoch zur Haustüre und kramte den Schlüssel heraus. Hastig schloss ich auf, doch noch bevor ich eintreten konnte, hörte ich Alex rufen.
Er hatte es nicht weit geschafft, hatte sein Auto am Straßenrand abgestellt und war gerade zu Fuß äußerst eilig auf dem Weg hier hoch.
Ich schloss für eine winzige Sekunde die Augen und atmete tief durch.
Diese ganze Wir-sind-jetzt-Freunde-Geschichte läuft eindeutig aus dem Ruder.
Langsam drehte ich mich um, Alex stand mittlerweile vor mir.
„Ist noch irgendetwas?“, fragte ich, er nickte.
„Ich weiß schon, ich wirkte aufdringlich. Sorry dafür, ist nicht beabsichtigt. Aber ich wollte dir noch meine Handynummer geben!“
In der Tat, er wirkte aufdringlich.
Alex lachte.
„Dein verwirrter Blick ist echt unbezahlbar, Alice. Es ist nur… Falls du wieder deine übermäßig vielen Fragen stellen willst, schreib mir einfach. Das ist doch praktischer, oder?“
Ich nickte.
„Äh, na gut. Klar, warum nicht!“
Ich reichte Alex mein Handy, er gab mir seins. Dann tippten wir unsere Nummern ein und tauschten unsere Telefone wieder aus.
„Na gut, jetzt bist du mich los. Bis morgen!“, verabschiedete er sich und schlurfte zurück zu seinem Auto.
Völlig verwirrt schaffte ich es schließlich in mein Haus und klatschte die Tür hinter mir zu.
Um Gottes Willen, ich brauche jetzt eine anständige Portion Punkrock, die mir den Kopf frei macht von allen komischen Gedanken, die ich gerade hatte.
Als ich den Flur entlang schlurfte, hörte ich Geräusche aus der Küche.
Ich runzelte die Stirn und warf einen kurzen Blick auf meine Armbanduhr. Es war halb zwei. Meine Mutter sollte meinem Wissen nach in ihrer Praxis sein und haufenweise genervte Patienten untersuchen…
Immer noch misstrauisch trat ich in die Küche – und traf prompt auf meine Mutter, die wie eine Profi-Hausfrau am Herd stand und in einem Topf irgendetwas herum rührte.
Ich räusperte mich, Mama drehte sich um.
„Ähm… Was tust du da?“, fragte ich, ganz verwundert über die Situation. Wenn meine Mutter sich einmal dazu durchringen konnte, zu kochen, dann höchstens am Wochenende oder wenn sie einmal frei hat. Aber niemals, wirklich nie, unter der Woche, auch noch mittags!
Meine Mutter grinste wie ein Honigkuchenpferd.
„Alice, schön dich zu sehen. Wie du siehst, koche ich uns was Schönes!“
Ich nickte.
„Ja, das sehe ich. Und es macht mir Angst!“, murmelte ich und wagte einen Blick in den Topf.
Meine Mutter kicherte und winkte ab.
„Komm schon, gib mir eine Chance. In der Praxis hatten wir heute ganz spontan einen Rohrbruch, das ganze Haus steht unter Wasser, möge man behaupten. Ich habe zwangsweise frei bekommen. Und da ich auch nicht im Krankenhaus aushelfen muss, bin ich heute und morgen zu 100 Prozent Mama! Und solche Mütter kochen eben auch mal was für ihre Kinder!“, erklärte sie.
Ich nickte wieder.
Na gut, wenn sie sich einredete, eine Hausfrau sein zu können, will ich sie mal im Glauben lassen.
„Na gut. Wie auch immer. Mit Spaghetti und Tomatensauce hast du dich ja geradezu übertroffen!“, meinte ich und lachte.
Mama schmollte gespielt.
„Meckere nicht. Du weißt, dass ich auf das Kochen auch verzichten könnte. Also, schnapp dir einen Teller, es ist angerichtet!“
Meine Mutter drängte mich zu einer riesigen Portion Spaghetti – sie hatte sich beim Abmessen ein wenig verschätzt, was ich jetzt ausbaden musste – und wir setzten uns an den Küchentisch, um gemeinsam zu Mittag zu essen.
„Ich habe gesehen, dein Schätzchen hat dich nach hause gefahren“, sagte meine Mutter und grinste mich an.
Ich warf ihr einen genervten Blick zu.
„Mama, er ist nicht mein Schätzchen. Wir sind Freunde. Mehr nicht. Und daraus wird auch niemals mehr werden, okay? Dein zukünftiger Schwiegersohn wird nicht Alexander heißen!“, beteuerte ich und stocherte in meinen Nudeln herum.
Meine Mutter lachte.
„Ganz ruhig, Alice. Aber dein Freund ist doch so sympathisch. Und überaus gutaussehend. Ihr würdet zueinander passen.“
Ich sah zweifelnd zu Mama, dann wieder zu meinen Nudeln.
Ich glaube, mir wird schlecht.
Ich bin nicht an Alex interessiert. Nicht auf diese Weise. Und ich weiß, dass sich das folgende jetzt naiv anhört, aber… Anders herum? Vorhin hätte man ja wirklich glauben können, ich wäre der beste Mensch, der ihm je begegnet ist.
Ob Alex – ich mag gar nicht daran denken – an mir interessiert war? <

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen