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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Mittwoch, 3. Dezember 2014

The modern days #19



> Wir redeten nicht.
Nicht ein Wort.
Während der kompletten Fahrt zu mir nach Hause verloren weder Alexander noch ich ein Sterbenswörtchen.
Aus den Lautsprechern des Autoradios wummerte Alligatoah. Willst du sie haben, dann brauchst du Narben.
Ich schüttelte den Kopf und rubbelte mir fröstelnd über die Arme.
Weder draußen noch hier drinnen hatte es mehr als zehn Grad.
Die Fahrt war grauenhaft.
Miststück.
Mich so zu nennen, war echt hart! Also für mich – nicht für ihn. Ich musste zugeben, ich hatte manchmal eine zu große Klappe. Und mit den Konsequenzen muss ich jetzt wohl oder übel leben.
Na endlich! Wohnung in Sicht!
Die Stimmung war so angespannt, dass ich einfach nur froh war, das Auto wieder zu verlassen.
Alex’ Miene könnte auch meinen Tod bedeuten, so finster sah er aus.
Ich verschwendete keinen Blick an ihn, sondern lief einfach die Einfahrt hoch, in der Hoffnung, er würde nicht gleich wieder flüchten.
Vorne an der Tür angekommen, schloss ich diese auf und knipste das Licht an.
Wohlige Wärme empfing mich und ich atmete tief durch.
Jetzt galt es, Alex' miese Stimmung zu vertreiben.
Er betrat unsere Wohnung und sah sich misstrauisch um.
Ich zog ihn an seinem Ärmel ein paar Schritte weiter, sodass ich die Tür hinter ihm schließen konnte.
„Keine Sorge, meine Mutter ist nicht da. Workaholic! Vor acht Uhr heute Abend kommt sie sicher nicht nach Hause“, meinte ich und zog meine Jacke aus.
Alex tat es mir gleich.
Ich nahm sie rasch aus seiner Hand und hing sie gemeinsam mit meinem Parka an die Harken in der Gardarobe.
„Und dein Vater?“, fragte Alex, während ich ihm bedeutete, mir in die Küche zu folgen.
Ach, der werte Herr hat beschlossen, wieder mit mir zu reden.
„Wohnt nicht hier“, antwortete ich und zog einen Stuhl vor. „Setz dich.“
Alexander nickte.
Ich zog einen Küchenschrank auf, nahm zwei Gläser heraus und stellte sie auf den Tisch.
Hoffentlich reden wir jetzt nicht nur über meine Eltern. Kein Thema, das von Interesse ist.
„Sind deine Eltern getrennt?“
Ich musste auflachen, als ich auch eine Wasserflasche auf den Tisch stellte. Ich schüttelte den Kopf.
„Genau genommen waren sie nie zusammen.“
Ich setzte mich gegenüber von Alexander an den Küchentisch. Er runzelte verständnislos die Stirn.
„Und warum amüsiert dich das so? Ich fürchte, ich verstehe nicht ganz…“
Ich lächelte.
„Okay, hier mal ein kurzer Einblick in meine Familiengeschichte.“
Ich lehnte mich zurück und seufzte.
„Meine Mutter war damals, vor langer Zeit, eher jemand von der komplizierten Sorte. Für eine Durchschnittsmutter ist sie nämlich zu alt. Das ganze kommt daher, dass sie eigentlich lesbisch ist. Meine Mum war ein Freigeist und hat sich nie besonders viel daraus gemacht, was die anderen von ihr dachten. Sie hatte viele Freundinnen und ihre letzte Lebensgefährtin war ziemlich lange mit ihr zusammen. Doch meine Mutter ist schließlich irgendwann dem wohl natürlichen Drang verfallen, Kinder zu bekommen. Karin, ihre Lebensgefährten, konnte ihr einerseits nicht bieten, was sie wollte. Sie konnte aber andererseits auch nicht verstehen, warum sie jetzt auf einmal Kinder haben wollte. Die beiden machten Schluss, Mama schlief mit ihrem damals besten Freund und hat dann mit ihren 36 Jahren noch Zwillinge bekommen. Mich und Amelia. Mama hat uns beide nach berühmten Feministinnen benannt, falls dir das noch nicht aufgefallen ist. Ich wurde nach Alice Schwarzer benannt und meine Schwester nach Amelia Earhart. Wie auch immer - der Kontakt zu meinem leiblichen Vater ist auch nie abgebrochen, alle paar Wochen sehen wir uns mal. Er heißt Ben, wohnt am anderen Ende der Stadt in einem stylischen Penthouse. Er ist total cool drauf und auf die Tatsache, dass er zwei Töchter mit einer lesbischen Frau hatte, war er immer irgendwie stolz. Er meint, es gelingt nicht jedem Mann eine Frau vom anderen Ufer ins Bett zu kriegen!“
Ich lachte und starrte auf das leere Glas vor mir.
„Na ja, lange Rede, kurzer Sinn. Lass uns über irgendwas anderes reden!“ <

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