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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Samstag, 29. November 2014

The modern days #18



> Das letzte mal, dass ich Alex gesehen hatte, war die Nacht in der Bar. Da hatte er mich einfach abgewimmelt, beziehungsweise Chantal (die entzückende alte Dame) hatte mich hinaus geschmissen.
Natürlich ist er die nächsten Tage unerklärlicher Weise nicht zur Schule gekommen, wie so oft auch. Doch auch wenn ich ihn nicht sah, verfolgte mich dieser mysteriöse Zettel. Ich konnte Tag und Nacht an nichts anderes als "Schönheitskuren" denken. Was ist damit nur gemeint?
Es war mal wieder Montag und ausnahmsweise traf ich Alex in der großen Pause, wie er einsam und allein auf einem der Felsen saß, auf welchen ich ebenfalls gerne verweilte. 
Das bot mir die Chance, ihn noch mal auf die Nachricht anzusprechen. Denn ich werde ganz sicher nicht aufgeben!
„Du hast meine Frage immer noch nicht zu 100% beantwortet, wobei das auch nicht die einzige meiner Fragen war. Also, wann hat der werte Herr wieder Zeit, um mir ein paar Antworten zu liefern?“
Alex sah überrascht auf, zog sich Kopfhörer aus den Ohren und runzelte die Stirn.
Heute hatte er seine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, was mich leicht irritierte, sein Gesicht sah noch viel kantiger aus als sonst.
„Wie bitte?“, fragte er, ich seufzte. Dann setzte ich mich neben ihn auf den Stein, darauf bedacht, ihn nicht zu berühren. Sein Blick wurde nicht minder merkwürdig.
„Wann hast du Zeit, dich mit mir zu treffen? Unser Frage-Antwort-Spiel weiter spielen?“
Alex stand auf, griff sich seinen Rucksack und ging.
Wahrhaftig. Er lief einfach weg.
Warum ist dieser Kerl so ein verdammter Idiot?
Ich warf meine Haare zurück und beeilte mich, ihm hinter her zu rennen.
Das ist so entwürdigend! Ich sollte keinem Kerl hinterher laufen, in jeglicher Hinsicht.
Durch die viel zu langen Beine - an diesem Jungen war alles irgendwie zu lang - waren die dadurch resultierenden riesigen Schritte echt schwer einzuholen.
Doch schließlich schaffte ich es, mir den Ärmel seines schwarzen Kapuzenpullovers zu schnappen und daran zu ziehen.
Alex stolperte und stieß so etwas wie ein Knurren aus, als er sich zu mir umdrehte.
Plötzlich wurde mir wieder bewusst, was er mir an den Kopf geworfen hatte, als wir uns das erste Mal begegnet hatten. Ich solle tot sein.
Ich schluckte.
Ja, Alex machte mir definitiv Angst. Aber ich tue das Ganze, um den mysteriösen Tod meiner Schwester aufzudecken.
Ich atmete tief durch.
„Das war ausgemacht. Antwort gegen Antwort. Und ich bin nicht das kleine, introvertierte Mädchen, das du vielleicht in mir gesehen hast. Oh nein, seit ich dich kenne, habe ich so viel Mut wie noch nie. Mut dazu, einem Feigling wie dir meine Meinung zu geigen."
Alex runzelte die Stirn.
„Feigling? Du beschimpfst mich als Feigling?“
Empört schrie er mich förmlich an.
Ich hob beschwichtigend die Hände.
„Ja, denn offensichtlich beweist du mir hier gerade nicht das Gegenteil!“
Ich sah, wie Alexander mit sich rang, mir nicht inmitten all er anderen Schüler alles an den Kopf zu werfen, was er gerade wollte.
Mit viel Beherrschung atmete er tief durch.
„Ich weiß ja überhaupt nicht, was du von mir willst. Erst willst du etwas über Amelia herausfinden, doch dann interessiert dich meine persönliche Geschichte viel mehr, als mir lieb ist. Also, was zur Hölle verlangst du von mir? Willst du mein Tagebuch lesen oder so? Sag mir einfach, was du wissen willst. Und solange es nichts mit meiner Familie zu tun hat, werde ich deine Fragen womöglich weiterhin beantworten.“
Ich setzte zu einer Antwort an, doch Alex fügte noch etwas zu seiner Ansprache hinzu.
„Und du wirst nicht mehr meine Wohnung betreten. Ich will nicht, dass du noch mal mit Nic in Kontakt trittst, egal wie. Babysitter hin oder her, das war eh nur eine einmalige Sache, aus der Not heraus. Ich habe ihm gegenüber, so gut es ging, nie etwas von meinen Machenschaften in der Funk erwähnt. Aber durch dich gerät das alles außer Kontrolle. Also, ein erneutes Treffen findet von mir aus wieder statt, aber außerhalb meiner vier Wände und nicht in der Gegenwart meines kleinen Bruders!“
Ich nickte.
„Gut, das akzeptiere ich.“
Ich versuchte, so aufrichtig wie möglich zu klingen. Auch wenn man es mir jetzt nicht ansah, dass mit Nic machte mir echt zu schaffen.
Dieser kleine Kerl hatte mir weis machen wollen, Alex hätte mir vertraut. Weshalb sonst hätte er auch meinem Angebot zugestimmt? Aber jetzt sah die ganze Sache anders aus.
So wie ich das feststellen konnte, hasste Alex mich.
Kann es denn anders sein, bei diesen Worten, die er mir wutentbrannt an den Kopf wirft?
Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen.
Es ist mir egal.
Diesen Satz musste ich verinnerlichen.
Es ist mir egal. Egal, dass dieser junge Mann mich hasste – an dieser Schule würde ich eh keine Freunde finden.
Ich durfte trotz allem schlichtweg mein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Amelia ist gestorben. Die Polizei meinte, es war Selbstmord. Aber ich kann das nicht glauben.
Meine Schwester mag zwar verschwunden sein, auf unerklärliche Weise. Aber wenn sie Probleme gehabt hatte, hätte sie mit mir geredet.
Drei Jahre ist das schon her. Ihr Tod eineinhalb.
Ich schluckte.
Die Geschichte musste einfach einen Haken haben, sie hatte zu viele Leerstellen.
Und diese Leerstellen galt es zu füllen, mit Alexanders Hilfe. Sonst würde ich meinen Frieden nicht mehr finden, nicht in diesem Leben.
Alex seufzte.
„Also, wann gedenkt es der jungen Dame denn, ein Treffen mit mir zu arrangieren?“
Ich schnaubte.
„Ich bin nicht die Person, welche so gut wie nie in der Schule ist und sonst sein halbes Leben generell nie Zeit hat. Also schlag du einen Termin vor“
Alex grinste. Ein Grinsen, das nichts Gutes bedeuten konnte.
„Wie wäre es mit Jetzt? Ich weiß, dass du jetzt Musik hättest. Und ich Geschichte. Keine Fächer, die lebensnotwenig sind. Es wird keinem auffallen, wenn wir nicht da sind“, schlug Alex vor. War ja klar, dass er nur solche Ideen hatte.
Ich zog überrascht die Augenbrauen nach oben.
Aber er hatte wohl recht. Alex schwänzte ja sowieso die ganze Zeit und mich würde generell niemand vermissen.
Ich straffte die Schultern und stellte mich aufrecht hin.
„Gut. Wir hauen ab. Wir könnten zu mir fahren.“
Alex zuckte nur mit den Schultern.
„Ist mir gleich. Ich bin mit dem Auto da, ich fahr uns.“
Wow, der Typ ist gleich mit meiner Idee einverstanden? Na gut, soll mir nur recht sein.
Ich schickte Alex schon vor zum Parkplatz, ich musste noch meinen Rucksack aus dem Aufenthaltsraum holen – ohne dass mich jemand bemerkte.
Es klingelte gerade zum Pausenende.
Den Tumult der umherirrenden Schülerschaft nutzte ich, um mir meine Tasche zu schnappen und unbemerkt das Gebäude zu verlassen.
Dann rannte ich so schnell wie möglich zum Parkplatz.
Schon aus der Ferne konnte ich Alex ausmachen, wie er an seinem Auto lehnte – und rauchte.
Ich rümpfte die Nase.
Das gefiel mir ganz und gar nicht. Dieser Kerl will seinen Bruder vor mir schützen, aber verpestet seine Welt mit gefährlichem Rauch? Tolle Logik.
Selbstbewusst lief ich auf Alex zu. Er zog an seiner Zigarette und blies den Rauch in die kalte Luft.
Dieser Zug wird definitiv sein letzter gewesen sein!
„Endlich bereit?“, fragte Alex, stieß dabei sanfte Rauchwolken aus.
Beim Auto angekommen, nahm ich die Zigarette aus seiner Hand, warf sie auf den Boden und zertrat sie mit dem Absatz meiner Stiefel.
Dann lächelte ich gestellt.
„Ja, jetzt bin ich bereit“
Alex verdrehte nur die Augen und ließ mich in den Wagen steigen.
„Du riechst genauso wie die Luft im Nightmare. Du solltest aufhören, zu rauchen. Schadet dir nur, Kleiner“, meinte ich und sah stur gerade aus.
Alex starrte mich an, ich spürte seinen Blick auf mir.
„Wann wirst du aufhören, mich zu provozieren, Miststück?“, fragte er, ich sah ihn nun mit offenem Mund empört an.
„Du hast damit angefangen, mich zu provozieren. Und falls du glaubst, dass ich Miststück jemals damit aufhören würde, mich zu revanchieren, hast du dich geschnitten!“ <

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