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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Freitag, 28. November 2014

The modern days #17



> „Was, zum Teufel, ist das?“, rief ich quer über den ganzen Lärm und klatschte den Zettel auf die Theke.
Völlig verwirrt bin ich, nachdem ich Niclas nach Hause gebracht hatte, zum „Nightmare“ gefahren.
Dank dem Navi konnte ich mich durch die verschiedenen Gassen kämpfen und war schließlich kurz nach elf vor besagter Bar.
Der Schuppen sah total zwielichtig aus, ich hätte nie in meiner Freizeit von selbst entschieden, solch ein Etablissement zu betreten.
Aber dieser Zettel hatte meine Gedanken komplett weg driften lassen.
Hatte Alex etwa das Leben seines Bruders riskiert, um seine eigene Haut zu retten? Oder war es genau andersherum?
Das verstörte mich alles komplett.
Also hatte ich beschlossen, Alex einen kurzen Besuch abzustatten, um ihn zur Rede zu stellen.
Ich hatte die Bar betreten und habe erst einmal einen Hustenanfall bekommen. Rauchverbot war für Chantal wohl ein Fremdwort, aber damit musste ich wohl oder übel leben.
Die Belegschaft war allesamt ü 40, männlich und keinesfalls attraktiv. Ein kalter Schauer durchfuhr meinen kompletten Körper, als sämtliche Blicke auf mich fielen.
Dennoch so selbstbewusst wie möglich kämpfte ich mich vor zur Bar. Dort sah ich Alex als einen der zwei Barkeeper, steuerte auf ihn zu und knallte das Papier auf den Tisch.
„Was machst du hier?“, rief er mir entgegen.
Ich sah ihn empört an.
„Was ich hier mache? Ich versuche, mir unser Leben zu erklären.“
Eine Dame, definitiv von der Zeit gezeichnet, kam neben Alex und sah zwischen uns hin und her. Sie trug stechend gelben (!) Lidschatten kombiniert mit knallrotem Lippenstift.
„Stress mit deiner Freundin, Kleiner?“, fragte sie mit einer solch tiefen Stimme, die mich irritierte.
Alexander schüttelte nur den Kopf.
„Sie ist nicht meine Freundin“
Die Frau lachte auf.
„Oh, Stress mit deiner Ex-Freundin?“, fragte sie grinsend.
Ich stöhnte.
„Ich bin weder das eine noch das andere. Kann ich mir ihren Kleinen trotzdem mal kurz ausleihen?“, fragte ich, Alexander sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Die Frau lachte nur weiter, verfiel in einen grässlichen Husten und wedelte mit der Hand. Somit bedeutete sie Alex, kurz Pause machen zu können.
Dieser zuckte nur unbeeindruckt mit den Schultern, legte das Handtuch, mit dem er gerade ein Glas getrocknet hatte, hinter die Theke und ging durch eine schmale Tür dahinter hervor.
Er nahm meine Hand und zog mich, wie so oft, hinter sich her, weiter in die Bar hinein.
Wir erreichten eine kleine Nische, in der ein paar Sitzsäcke lagen.
Alex bat mich, mich zu setzen, während er die schwarze Schürze um seine schmale Hüfte löste und sie neben sich auf den Boden legte.
Dann fuhr er sich durch die Haare und sah mich müde an.
„Also, sprich. Was ist los?“
Ich übergab ihm das Stück Papier.
Er warf einen kurzen Blick darauf, zerknüllte es dann in seiner Faust und schleuderte es auf das kleine Tischchen zwischen uns.
„Warum besitzt du das? Wie hast du das gefunden?“
Ich sah ihn mit einem stechenden Blick an.
„Na ja, Nic hatte mich gebeten, die Küchentür zu schließen und da ist mir dieser Zettel ins Auge gesprungen.“
Ich atmete tief durch.
„Bitte, ich bitte dich inständig, sag mir, dass du deinen Bruder nicht in das alles mit hinein gezogen hast.“
Alex starrte mich an.
„Spinnst du? Ich würde doch nie im Leben meinen kleinen Bruder in die Sache einbeziehen. Nic ist mein Leben! Mehr als das!“
Er fuhr sich erneut durch seine zu langen Haare.
„Du hast doch nicht im Ernst geglaubt, dass ich das Leben meines eigenen Bruders für meins eingetauscht hätte. Das hätte ich mir niemals verzeihen können“
Alex wirkte völlig as der Fassung geraten.
Dann streckte er die Hand nach dem Zettel aus, doch ich kam ihm zuvor und schnappte ihn mir. Alexander sah mich bedrohlich an.
„Gib mir das Papier. Ich will es ein für alle mal vernichten. Das hätte ich sowieso schon tun sollen, nachdem ich das mit der Funk beendet hatte“
Ich schüttelte den Kopf.
„Erst sagst du mir, was du getan hast. Wenn Niclas nicht involviert war, was hast du dann getan?“
Alex stand empört auf und griff sich seine Schürze.
Er drehte sich auf dem Absatz um und stiefelte nach vorne, zum Tresen.
Ähm… Hallo? Jetzt spielt der die beleidigte Leberwurst oder was?
Ich beeilte mich, mich aus dem Sitzsack zu erheben und rannte Alexander nach.
Er stand schon wieder hinter der Theke und versorgte einen der alten Herren mit reichlich Schnaps.
Ich drängelte mich weiter vor und quetschte mich neben den Typen auf einen Barhocker.
„Heee, Kleene, kann ick dich auf n juten Drink einladen?“
Angeekelt sah ich den offensichtlich aus Berlin stammenden Kerl an und schüttelte den Kopf.
Alex stellte lautstark ein weiteres Schnapsglas auf den Tisch und lenkte die Aufmerksamkeit auf ihn.
„Herbert, kümmere dich lieber um das hier. Das Mädchen gehört zu mir“
Ich warf Alex einen wütenden Blick zu.
„Ich gehöre nicht zu dir, verdammt. Warum denkt das denn jeder? Und kannst du jetzt bitte meine Frage beantworten? Was ist damals passiert?“
Alex seufzte.
„Du wirst nie aufgeben, oder?“, fragte er, danach füllte er Herberts Glas wieder auf.
Ich schüttelte den Kopf, meine Locken hüpften wild umher.
„Ich habe ein Ritual vollzogen, die Schönheitskur, von der hier die Rede ist. Aber schön ist das ganz und gar nicht! Bist du jetzt zufrieden?“, fragte er, ich sah ihn entsetzt an.
Dann schüttelte ich erneut den Kopf, woraufhin Alex seine Augen verdrehte.
„Was meinst du damit?“, wollte ich wissen und runzelte die Stirn.
„Mit der Schönheitskur, was meinst du damit?“
Alex schüttelte nur den Kopf.
Er machte sich daran, ein paar Gläser abzutrocknen.
„Das willst du eher nicht wissen…“
Unvermutet begann er zu lachen.
„Wobei… Du bist die absolut neugierigste Person, die ich je kennengelernt habe. Vermutlich würdest du es sogar wissen wollen, wenn es deinen Tod bedeuten würde“ <

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