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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Sonntag, 9. November 2014

The modern days #13



> „Hey, Nic, what’s up?“, rief Alex seinem kleinen Bruder zu, den er anscheinend gerade aus der Menge ausmachen konnte.
Er hatte sich damit einverstanden erklärt, mir den Babysitterjob zu überlassen – wenn Niclas ebenfalls damit klar kommen würde.
Wir waren ausgestiegen und saßen nebeneinander auf einer Bank vor dem Schulgebäude.
Alex stand nun auf, lief durch die Menge der Schüler auf einen der Jungs zu.
Sobald sie das Meer aus Schülern lichtete, sah ich ihn ebenfalls.
Niclas war Alexander wie aus dem Gesicht geschnitten. Dieselben, dunkelblonden Haare und ebenfalls solche stechend blauen Augen.
Niclas war aber im Gegensatz zu seinem Bruder so fröhlich gekleidet, dass man schon bei seinem Anblick lächeln musste. Er trug eine hellblaue Jeans, die unten umgekrempelt über seinen knallroten Chucks lag. Dazu kombiniert hatte er ein grünes Shirt, auf dem ein Ninja Turtle abgebildet war.
Grinsend schleifte er seinen Rucksack auf dem Boden hinter sich her, während er mit Alex fröhlich diskutierte.
Die Brüder quatschten intensiv miteinander, als ich aufstand und ihnen entgegenkam. Der Rucksack hat eindeutig seine besten Tage hinter sich, urteilte ich.
„And Melissa is such an idiot. She called me Nicki! That’s a girl’s name, Alex. I hate her!“
Alexander lachte, als Niclas seine Erzählung beendet hatte. Wow, hätte nicht gedacht, dass dieser Mensch überhaupt zu einem herzlichen Lachen fähig war.
Dann sah er zu mir, Niclas folgte meinem Blick und sah äußerst kritisch zu mir. Alex räusperte sich.
„Okay, ähm, also Nic, das hier ist Alice, eine Freundin von mir. Sie wird den restlichen Nachmittag auf dich aufpassen“, gab Alexander bekannt und sah zwischen seinem Bruder und mir hin und her.
Ich bemühte mich um ein Lächeln. Der Begriff „Freundin“ wurde hier definitiv zu oft benutzt. Doch eigentlich sind wir das noch immer nicht. Meiner Meinung nach.
„Hey Niclas. Wie geht’s?“, fragte ich und lächelte wieder.
Niclas zog immer noch kritisch die Augenbrauen zusammen, entschied sich dagegen, mir zu antworten und wendete sich an seinen Bruder.
„Alex, I told you, I don’t need a Nanny. Gosh, I’m ten okay? Can’t I sleep at Jonathan’s and everything is ok?”, murmelte Niclas, Alexander grinste.
„Nein, du kannst nicht bei Jonathan übernachten. Und übrigens bringt es dir nichts, mit mir auf Englisch zu reden, weil Alice das ebenfalls beherrscht, okay? Also, du hast die Wahl. Entweder du kommst mit ins „Nightmare“ und Chantal hat ein Auge auf dich. Oder du bleibst den Abend über bei Alice. Entscheide dich.“
Niclas brummte.
„Okay, du hast gewonnen. Ich kann Chantal nicht leiden!“
Ich runzelte die Stirn.
„Wer ist Chantal?“, fragte ich.
Die Brüder sahen wieder zu mir, Alex antwortete mir.
„Chantal ist die Besitzerin des „Nightmare“, der Bar in der ich jobbe. Sie passt gelegentlich auf Nic auf, wenn ich keinen Babysitter habe. Aber da du uns heute gerettet hast, sieht die Welt doch gleich ein Stückchen besser aus.“
Ich nickte.
Ich hatte zwar noch nie vom „Nightmare“ gehört, aber dem Namen nach zu urteilen war es sicherlich kein besonders schönes Etablissement.
Ich sah zu Niclas, der sich nun anscheinend mit der Situation abgefunden hatte.
„Also schön, dann werden wir uns heute noch einen schönen Abend zusammen machen. Musst du noch irgendwo hin oder wollen wir zu mir nach Hause? Oder zurück zu euch? Ich kann Niclas später aber auch wieder nach Hause fahren, mit dem Auto meiner Mutter“
Fragend sah ich Alex an, er zuckte mit den Schultern.
„Wäre ehrlich gesagt echt cool. Meine Schicht geht nämlich bis zwölf, da werde ich ihn vorher nicht abholen können!“
Ich nickte.
„Ja, ist kein Problem für mich. Ich kann ihn so gegen acht oder neun heimfahren. Nach dem Abendessen, okay? Dann musst du dich um nichts mehr kümmern“, antwortete ich und lächelte aufmunternd.
Alexander sah mich hoffnungsvoll an.
„Alice, ich danke dir vielmals. Das ist echt großzügig von dir.“
Er warf einen Blick auf die Uhr.
„Okay, wir müssen los. Dass ich euch noch loswerde, bevor meine Schicht anfängt!“, meinte er und nahm Niclas’ Rucksack.
„Ab ins Auto!“
Nic rannte voraus und setzte sich auf die Rückbank. Ich schlurfte hinter her und ließ mich wieder auf den Beifahrersitz gleiten.
Ich nannte Alex meine Adresse – es war nicht einmal ein Unweg, mich und seinen Bruder dort abzusetzen – und wir verabschiedeten ihn keine zehn Minuten später.
Nic sah argwöhnisch zu mir hoch, als ich die Haustüre aufschloss und ihn in die Wohnung bat.
Er zog seine Schuhe im Flur aus und sah sich um.
„Musst du noch Hausaufgaben machen oder… willst du Fernsehen oder so?“, fragte ich und zuckte mit den Schultern.
Babysitten hatte ich noch nie gemacht. Keine Ahnung, was man mit Kindern den Abend über so anstellt.
Zudem hatte ich das Gefühl, Niclas mochte mich nicht besonders.
Er schüttelte den Kopf.
„Ne, kein Fernsehen. Ich muss noch Mathe lernen… Willst du mir dabei helfen?“, fragte Niclas lustlos.
Ich grinste.
„Natürlich, gerne“, antwortete ich, doch Niclas schien nicht sonderlich zufrieden.
Er kniff die Augen zusammen und sah mich mit seinem kritischen Blick an.
„Okay“, entgegnete er nur.
Ich lotste Niclas hoch in mein Zimmer, holte ihm einen extra Stuhl aus Mamas Arbeitszimmer und stellte ihn an meinen Schreibtisch.
Wir setzten uns an den Tisch und Niclas holte seine Mathesachen heraus.
Dann sah er mich wieder an und lächelte – wahrhaftig, er lächelte.
„Alex muss dir ja richtig vertrauen, wenn er mich bei dir lässt, obwohl ich dich noch kein einziges Mal gesehen habe. Und du bist total nett. So jemanden hilfsbereites wie dich habe ich noch nie getroffen.“ <

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