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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Freitag, 7. November 2014

The modern days #12



> Na super.
Dieser Nachmittag verlief so gar nicht nach meinem Plan.
Ich erfahre jegliche Sachen, die eigentlich nicht so wirklich etwas mit meiner – unserer – Vergangenheit zu tun hat. Und jetzt ist unsere Zeit auch schon um.
Alex sah mich fragend an, ich hatte ihm noch nicht geantwortet.
„Ähm… ja… auf welche Schule geht dein Bruder?“, fragte ich, während Alex seine Schlüssel holte und sie in seine Hosentasche gleiten ließ.
„Heinrich-Heine-Grundschule. Ist mitten in der Stadt!“, antwortete er und hielt mir die Tür des Wohnzimmers auf.
Ich trat hinaus, öffnete die Haustür und schlurfte voraus Richtung Auto.
Alexander folgte mir, sobald er die Tür verschlossen hatte.
Der Kies unter unseren Schuhen knirschte.
„Okay, dann kannst du mich einfach an der Schule rauslassen. Ich könnte eh mal wieder in die Stadt gehen“, antwortete ich, als Alex wieder neben mir stand.
Jetzt, wo ich so darüber nachdachte… Spricht man Alex eigentlich deutsch oder amerikanisch aus? Immerhin ist er Amerikaner, aber unsere Aussprache scheint ihm nichts auszumachen. Vielleicht frage ich ihn irgendwann mal danach.
Ich bemerkte, dass seine Hände zitterten, als Alex die Schlüssel aus seiner Hosentasche fischte und sie zögernd in das Schloss seines Autos steckte.
Ich runzelte die Stirn.
„Ist alles okay?“, fragte ich, zugegeben besorgt.
Alexander nickte nur, er winkte ab.
„Ja... es ist nur... ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr über den Tod meiner Eltern und über Amelia oder Camille geredet. Das ist echt nicht so leicht zu verdauen.“
Alex stieg ein, ich tat es ihm gleich.
Seine Hände zitterten immer noch, als er sich anschnallte und dann tief durch atmete.
Wow, das hatte ich ihm vorhin gar nicht angesehen…
Ich fühlte mich augenblicklich schuldig. Nur wegen meiner Fragerei musste er seine komplette Vergangenheit aufrollen.
Aber glaubte er etwa, mir fiele das leicht? Von Amelia zu reden versetzt mir einen Stich ins Herz.
„Wie soll das jetzt weitergehen? Du hast mir immer noch nicht alles über die Funk oder deiner Beziehung zu meiner Schwester erzählt!“, meinte ich und sah Alex eindringlich an.
Er seufzte.
„Meine Beziehung zu Amelia? Okay, du hast definitiv keine Ahnung! Lass uns einen Deal machen: Amelia hat nie irgendwas über ihre Familie erzählt. Dabei würde ich zu gerne etwas über die Familie meiner ehemaligen besten Freundin erfahren. Antwort gegen Antwort. Einverstanden?“
Ich nickte. Das war nur fair.
„Natürlich. Wann wollen wir uns wieder treffen?“, fragte ich, Alex zuckte nur mit den Schultern.
„Ist mir relativ gleich. Am besten am Wochenende, da hätte ich auch vormittags Zeit und müsste Nic nicht irgendwo hinfahren oder absetzen. Unter der Woche ist eher schwierig, wegen der Schule und meinem Job!“, erklärte er, ich hörte aufmerksam zu.
Wir vereinbarten einen Termin für Samstagvormittag, bei mir, um unsere Geschichte weiter aufzuarbeiten.
Die restliche Fahrt schwiegen wir vor uns hin.
Ich dachte die ganze Zeit über Amelia nach.
Dass sie einer Drogenbande angehört haben soll, ging immer noch nicht in meinen Kopf. So etwas hätte sie doch nie vor uns verheimlicht… Oder etwa doch?
Ich war mit den Nerven vollkommen am Ende.
Oder hatte Alex mich möglicherweise doch angelogen? Vielleicht spielte er ja nur mit mir.
Aber andererseits hatte er mir heute so viel anvertraut, über seine Familie und sein Leben – er konnte einfach nicht gelogen haben.
„Ah… Mist!“, hörte ich Alexander murmeln, als wir am Parkplatz vor der Schule angekommen waren.
Ich sah ihn fragend an.
„Was ist los?“, wollte ich wissen, Alex schüttelte den Kopf.
„Ach, ich habe keinen Babysitter für Nic. Und auch wenn er schon zehn ist, heißt das noch lange nicht, dass ich ihn alleine in unserer Wohnung lassen würde. Dann muss er wohl oder übel mit in die Bar!“
Ich runzelte die Stirn.
„Aber… du kannst doch einen kleinen Jungen unter der Woche nachts nicht mit in eine Bar nehmen. Er braucht Ruhe und Schlaf, vielleicht muss er sogar Hausaufgaben machen!“, warf ich Alexander vor.
Er schnaubte.
„Alice, so läuft unser Leben nun mal. Oder hast du eine bessere Idee?“
Er schüttelte den Kopf und konzentrierte sich auf die Masse an Schülern, die aus dem Gebäude strömten.
Wie sein kleiner Bruder wohl aussah?
Ich atmete tief durch.
Keine Ahnung, was mich dazu getrieben hat, das folgende zu tun. Aber…
„Ich könnte auf ihn aufpassen. Meine Mutter wird eh die halbe Nacht in ihrer Praxis sein. Ich habe Zeit!“, antwortete ich.
Alexander drehte den Kopf zu mir und starrte mich an.
„Das würdest du wirklich tun? Obwohl du uns überhaupt nicht kennst?“
Ich seufzte.
„Ich hab auch überhaupt keine Ahnung, warum ich das tue. Aber immerhin kenne ich dich jetzt ein ganz klein wenig. Genug, um den Babysitter für deinen Bruder zu spielen. Vorausgesetzt, du vertraust mir das an!“ <

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