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Ein noch nicht ganz erwachsenes, chaotisches und kreatives Hippie-Mädchen schreibt hier alles auf, was ihr gerade durch den Kopf geht :)

Sonntag, 26. Oktober 2014

The modern days #9



> Wann werden diese peinlichen Momente endlich ihr Ende finden?
Erst lasse ich mich blamieren vor Selina und jetzt könnte ich wegen dieser Situation gerade im Boden versinken!
Und alles war Alexanders Schuld!
„Komm schon, steig ein, okay?“
Ich beschloss, das Klischee einer Frau zu erfüllen und ihn mit Schweigen zu strafen.
Mit erhobenem Haupt trat ich vom Auto zurück und unterstand mich, erleichtert aufzuatmen, als der Seitenspiegel mich nicht länger aufspießte.
Ich ging einmal um die Karosserie herum – und ja, es war nicht viel mehr als das.
Ein uralter VW Polo, schwarz, ziemlich verbeult und zerschrammt.
Ich stieß ein verächtliches Schnauben aus.
„Ja, ich weiß, es ist nicht das modernste Auto der Welt, aber es war recht billig und es fährt. Das war alles, was für mich Priorität hatte. Steig ein, wir müssen los, ich habe nicht ewig Zeit!“
Widerwillig zog ich die Beifahrertür auf, welche schrecklich quietschte.
Ich ließ mich auf den Sitz sinken und zog meine Tasche auf die Schenkel.
Ich sah mich um.
Hier von innen sah das Auto alles andere als gebraucht aus.
Die Sitze waren unversehrt, ein modernes Radio war eingebaut und am Rückspiegel hing eine kleine, fast unscheinbare Kette. Sie hatte einen Anhänger, auf dem etwas eingraviert war. Doch es war zu klein, um auch nur ansatzweise etwas aus dieser Entfernung erkennen zu können.
Alexander sah mich zweifelnd an, schloss dann jedoch die Tür seiner Seite und zückte seine Schlüssel.
Beim starten des Motors musste ich schlucken.
Worauf hatte ich mich noch mal eingelassen?
„Alles okay bei dir? Oder soll ich dich einfach nach hause fahren?“
Wann ist dieser Kerl eigentlich so einfühlsam geworden?
Ich schüttelte vehement den Kopf.
Alexander zuckte nur mit den Schultern.
„Na gut, dann geht’s jetzt mit zu mir, da du ja so gesprächig bist!“
Wir fuhren den Parkplatz hinunter, vorbei an der Schule und mitten in die Stadt hinein.
Es war ziemlich viel los, die meisten Angestellten hatten wohl Mittagspause, die Straßen waren überfüllt.
Wir brauchten fast eine halbe Stunde, um die Innenstadt zu durchqueren und endlich wieder die freieren, äußeren Straßen zu befahren.
Ich sagte die ganze Zeit kein Wort.
Alexander stellte unterwegs das Radio an und es erklang irgendetwas Undefinierbares. Es war Rap, aber so undeutlich und schnell, dass ich beim besten Willen kein Wort verstand.
Er fragte mich, ob es mich störte, ich jedoch zuckte nur mit den Schultern.
Um das Klischee zu erfüllen hatte ich definitiv noch nicht genug geschmollt – und außerdem hatte ich bis dato noch keine Lust, mit Alexander zu reden.
Er musste ganz schön weit außerhalb wohnen, in irgendeinem der äußeren Viertel der Stadt.
Die Gegend war zwar nicht mit Feldern und Wiesen übersät, doch es gab nur wenige Häuser und es erschien mir ländlicher.
Die bisherige Fahrzeit betrug schon fast eine Stunde.
Ich beschloss, meiner Mutter eine SMS zu schreiben, falls sie sich Sorgen machte, wo ich denn bliebe.
Wobei sie vermutlich eh so im Stress sein wird, dass sie vor heute Abend nicht auf ihr Handy schaut.
Ich sah aus dem Fenster.
Na gut, mein Schweigen musste jetzt ein Ende finden, denn eine Frage brannte mir auf der Zunge.
„Warum, um alles in der Welt, hast du mich deine Freundin genannt und meine Hand genommen?“, brachte ich schließlich hervor.
Alexander stoppte an einer roten Ampel und sah dann überrascht zu mir.
„Ach, hast du beschlossen, wieder mit mir zu reden?“
Ich nickte, Alexander grinste schweigend und richtete seinen Blick wieder auf die Straße.
„Alexander, beantworte meine Frage“
„Du hast mich bei meinem Namen genannt? Alexander nennt mich so gut wie niemand. Höchst interessant“
„Du gehst mir aus dem Weg!“
„Es klingt gut aus deinem Mund!“
Ich stöhnte.
„Was ist nur los mit dir?“
Alexander lachte.
„Ich heiße Alexander McCurdy, aber meine Freunde haben mich immer nur Alex genannt. Also kannst du das fortan auch tun, wenn du willst“
Ich konnte nicht anders und sah ihn wieder an – stink wütend. Dieses Mysterium von einem Menschen machte mich so rasend.
„Schon wieder dieses Wort. Freunde. Seit wann genau sind wir das?“ <

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