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Dienstag, 14. Oktober 2014

The modern days #7

> „Sag mir einen Ort und den Zeitpunkt und ich kann dir versprechen, ich werde da sein!“, erwiderte ich wie aus der Pistole geschossen.

Alexander war also tatsächlich bereit, mir Rede und Antwort zu stellen. Diesen Glücksmoment musste ich ausnutzen!
Er atmete tief durch und fuhr sich durch die Haare.
„Hast du heute Nachmittag Schule?“, wollte er wissen, ich schüttelte zögerlich den Kopf.
Alexander griff danach nach hinten, zog seinen Rucksack zu sich und wühlte darin.
Dann kramte er einen schwarzen Kugelschreiber heraus und stand auf.
Er kam auf mich zu, nahm, ohne zu fragen, meine Hand und schrieb in geschwungenen Lettern eine Adresse auf den Handrücken.
„Hier wohne ich. Wir können uns heute Nachmittag dort treffen, oder ich nehme dich gleich nach der Schule mit!“
Ich atmete tief durch.
Wow, letzte Woche wollte er noch kein Sterbenswörtchen mit mir reden und jetzt wirkte er regelrecht aufdringlich.
Mein Gewissen meldete sich zu Wort.
Ich kannte diesen Jungen nicht. Normale Mädchen würden diese Verabredung keinesfalls akzeptieren, viel zu gruselig.
Aber ging es mir nicht genau darum? Herauszufinden, wer Alexander war?
Ich nickte – wohl eher, um mich selbst von meiner Entscheidung zu überzeugen.
„Deine Bereitschaft mit mir zu reden ist höchst interessant… Aber okay, ich komme vorbei. Ich war noch nie in der Gegend. Gibt es da eine Straßenbahnhaltestelle?“, wollte ich wissen, Alexander grinste nur.
„Wie gesagt, ich kann dich auch direkt mitnehmen. Bin mit dem Auto da“
Ich zog interessiert die Augenbrauen nach oben.
Na gut, na gut, ich ergebe mich ja schon!
Ich seufzte.
„Also nach Bio?“, fragte ich, Alexander nickte und ich brachte so etwas wie ein Lächeln zustande.
Plötzlich unglaublich nervös sah ich auf meine Armbanduhr.
Es würde bald klingeln.
Ich nahm meinen Skizzenblock und steckte ihn zusammen mit meiner Ansammlung an Bleistiften in meine Schultasche.
Als ich wieder aufsah, war Alexander plötzlich weg.
Ich runzelte die Stirn.
Dieser Kerl ist mir ein einziges Mysterium.
„Okay, also ich sehe dich dann gleich in Bio. Oder auch nicht!“, rief ich wahllos in irgendeine Richtung, zuckte mit den Schultern und stand auf.
Dann lief ich zurück ins Schulhaus, begab mich gleich nach oben in den Biosaal – in der Hoffnung, Alexander wieder zu sehen – und setzte mich auf meinen altbekannten Platz in die letzte Reihe.
Meine Mitschüler trudelten nach dem ersten Klingeln auch allmählich ein, wobei mir natürlich keiner Beachtung schenkte.
Als der Unterricht begann und Alexander nicht wieder aufgetaucht war, fing ich an, nervös zu werden.
Hatte dieser Typ mich etwa nur verarscht? Wollte er sich lediglich lustig über mich machen, um mich ein weiteres Mal einzuschüchtern?
Ich schüttelte den Kopf.
Wenn es das ist, worauf er hinaus will, wird er es bitter bereuen. So leicht lasse ich mich nicht veräppeln.
Der Unterricht verlief schleppend und war furchtbar langweilig.
Alexander tauchte erst eine geschlagene halbe Stunde später auf, setzte sich nach einer Ermahnung von Seiten des Lehrers neben mich und schwieg die restliche Zeit.
Ich versuchte, seine Anwesenheit zu ignorieren und mich auf den Unterricht zu konzentrieren. Und obwohl er mich kein einziges mal ansah, machte mich die Situation allein ganz verrückt.
Erst als es klingelte und ich aufstand, um meinen Stuhl nach oben zu stellen, wagte es Alexander, wieder mit mir zu reden.
„Warte, ich mach das für dich.“
Ohne eine Antwort meinerseits abzuwarten, stellte er meinen Stuhl auf den Tisch und schob mich dann aus dem Klassenzimmer.
Ich brachte vor Staunen kein Wort heraus.
Was ist nur in diesen Kerl gefahren?
Ich folgte ihm den Schulhof hinunter, blieb aber irgendwann einfach nur perplex stehen.
Das wurde mir gerade alles ein bisschen zu viel!
Alexander kam auf mich zu und sah mich leicht genervt an.
„Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Vielleicht könntest du dich mal beeilen?“, bat er, jedoch ohne jeglichen freundlichen Unterton.
Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ich Schritte hinter uns hörte, daraufhin verächtliches Lachen.
„Ach, jetzt haben sich die zwei Freaks schon zusammengeschlossen?“, rief uns Selina zu, ich atmete tief durch.
Ignoriere sie, Alice! Einfach ignorieren.
Ich warf Alexander einen Seitenblick zu und hoffte, ihn dadurch aufzuhalten, irgendetwas zu sagen.
Anfang des Jahres hatte ich mich wirklich bemüht, wieder irgendwelche Freunde zu finden, beziehungsweise auch nur annährend nette Leute zu finden, neben welchen ich sitzen konnte.
Doch meine Versuche scheiterten kläglich. Und als Selina die Botschaft verbreitete, ich sei ein Freak, war es mit meinem Image komplett den Bach hinunter gegangen.
Ich hatte es aufgegeben, mich mit irgendwem anzufreunden und ebenfalls hatte ich es aufgegeben, mir irgendeinen produktiven Kommentar auf Selinas Geplapper einfallen zu lassen.
Doch Alexander schien mit dieser Strategie noch nicht vertraut. Er drehte sich um und sah Selina direkt an.
„Hast du irgendein Problem mit uns?“, fragte er, ich drehte mich ebenfalls um.
Das Szenario wird vermutlich noch ganz interessant werden, obwohl mir nicht ganz wohl bei der Sache war.
Alexander trug, wie jeden Tag, ein komplettes Outfit in schwarz und seine Tattoos wirkten nach wie vor Angst einflößend.
Ich würde ihm sogar zutrauen, dass er sich womöglich noch auf das Mädchen stürzt.
Selina zog, überrascht über die Tatsache, dass jemand ihr Paroli bat, die Augenbrauen nach oben und schwieg.
Alexander grinste.
„Nicht? Na also, passt doch alles. Und jetzt entschuldige mich, ich wollte gerade mit meiner Freundin gehen!“, meinte er seelenruhig.
Dann nahm er meine Hand, verflocht seine Finger mit meinen und zog mich ein kleines Stückchen näher an sich.
Selina klappte die Kinnlade hinunter, als Alexander mit mir – händchenhaltend – den Parkplatz hinunter lief. <

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